Stock ausm Arsch

Wie du zum nahbaren Leader wirst – oder als Manager alle High Performer verlierst.

Menschen arbeiten für Menschen. Das vergessen CEOs gerne. Manchmal könnte man glauben, sie betrachten ihre Mitarbeitenden als auswechselbare Ware. Und, oh Wunder, das funktioniert nicht. Das beste Gehalt wird nicht dazu führen, Mitarbeitende zu halten, wenn die Führungsperson ignorant oder rückgratlos handelt. Und somit kann eine einzige Person im Unternehmen dafür sorgen, dass die High Performer – diejenigen, die den Laden am Laufen halten, weil sie im besonderen Maße Verantwortung übernehmen und sich so sehr dem Erfolg und Zusammenhalt verpflichten, dass sie die unmöglichen Wege bis zum maximalen Erfolg gehen – das Unternehmen verlassen, resignieren und zu stumpfer Pflichterfüllung übergehen und Neue kein Interesse haben, dort anzufangen. Umgekehrt kann eine einzige Person dafür sorgen, dass ein intensiver Strom entsteht, High Performer anzuziehen und in jedem Menschen das Beste hervorzubringen. Das geht soweit, dass High Performer sogar lieber kostenlos dort arbeiten als anderswo für hohes Gehalt. Denn: Menschen arbeiten für Menschen. Die Freude an der Arbeit kreiert sich aus der Freude am Miteinander.

Unser Ziel ist, einen Umgang und eine Persönlichkeit zu leben, die Menschen den Raum gibt, mutig, disruptiv, voller Freude, lösungs- & ergebnisorientiert als Team zu agieren. Und das kann zum Glück jeder lernen, der Offenheit für Bewusstsein mitbringt.

Leadership hat nichts mit Methoden oder Zielvorgaben zu tun. Leadership ist eine Aura. Die Aura der Nahbarkeit und Leidenschaft. Es gibt ja den Spruch „Leidenschaft ist, was Leiden schafft.“. Das klingt recht negativ. Ist es aber nicht. Führung braucht Leidenschaft. Denn sie ist dein größter intrinsischer Motivator. Da muss ein Gefühl des Schmerzes in dir sein bei dem Gedanken, nicht zu erreichen, wofür ihr vorangeht. Es muss im Herzen wehtun, denn sonst wirst du die Hürden und Momente der Unsicherheit und fehlenden Antworten nicht überstehen. Die wichtigste Frage für dich ist also: welche Veränderung in der Welt ist dir so fucking wichtig, dass du bereit bist, dafür durchs Feuer zu gehen? Finde die Antwort. Dein Maß an Leidenschaft ist die brennende Fackel für dein Team. Dein Team wird niemals das Unvorstellbare umsetzen, solange du wie eine verklemmte Schnarchnase durch die Gegend schlurfst, wie ein Admiral Befehle bellst oder wie Mister Oberperfekt niemals einen Funken Menschlichkeit zeigst.

Wofür lohnt es sich, dein Leben zu widmen? Ich will, dass du diese eine Vorstellung hast, der du jede Minute deines Lebens widmen magst.

Ich geb dir ein Beispiel…

Was ist das bei mir?

Ich wurde ja mit 23 Jahren Mutter, 5. Semester im Studium. Das war nicht mein Plan. Du weißt, ich bin eine High Performerin: während es andere Menschen erschöpft, ziehe ich Energie daraus, mir immer größere Ziele zu setzen, über mich hinauszuwachsen und Verantwortung zu übernehmen – logisch, dass mein voller Fokus darauf lag, Karriere zu machen (damals kam ich noch nicht auf die Idee, Unternehmerin zu werden. Ich wollte erstmal von den Besten lernen). Aber dann war ich also mit 22 Jahren schwanger. Und nach dem ersten Moment des Zusammenbruchs all meiner Zukunftspläne war für mich klar: Challenge accepted, dann rocke ich jetzt halt Arbeit und Kind und kreiere meinen eigenen Weg, wie das funktioniert. Ja, es funktionierte, aber ich musste unfassbar viele Abwertungen und Entmutigungen dafür ertragen. Hätte ich kein entsprechendes Bewusstsein, hätten die Sprüche und Reaktionen der Menschen dafür gesorgt, dass ich beruflich niemals weiter an meinen Wünschen drangeblieben wäre, höhere Positionen einzunehmen. Der äußere Druck und die eigenen Zweifel sind mit dieser Situation so heftig, dass sie dich erdrücken und in die Knie zwingen, wenn du dir nicht ganz bewusst sagst, dass es Bullshit ist, welche Aussichten dir die Menschen prophezeien und was dich wirklich als Mensch ausmacht. Mehr als einmal saß ich weinend da, weil das Urteil, aufgrund von xyz eine Rabenmutter oder ungenügend Qualifizierte zu sein, so heftig ins Herz stach, dass ich dachte, es würde mir vor Schmerzen zerspringen.

Es gab diesen Moment, da sah ich meine Tochter an und ich wusste: „Für dich, Liebling… für dich werd ich diesem beschissenen Umgang der Abwertung und Vorurteilen der Menschen ein Ende setzen und als Mutter in die Führungspositionen gehen, für die ich mich bestimmt fühle.“ Ich BRENNE dafür, als Frau und Mutter in eine Führungsrolle zu gehen und für meine Überzeugungen einzustehen, weil ich nie wieder ein Mädchen hören will, dass an sich zweifelt und aus Angst vor Überforderung oder fehlender Qualifikation Männern die Führung der Welt überlässt. Komme, was wolle: dafür gehe ich durch Wände! Würde ich nicht alles geben, könnte ich mir nicht mehr im Spiegel in die Augen sehen – ich könnte es nicht ertragen, dort einen Feigling zu sehen. Logisch, dass ich mich mit diesem Gefühl in mir im gleichen Maße für andere einsetze, die einer solchen Schwächung ausgesetzt werden.

Da ist also etwas Übergeordnetes, wofür ich vorangehe. Es geht nicht um den Erfolg eines einzelnen Projektes oder einer Unternehmung. Der Antrieb geht weit darüber hinaus. Ich sehe klar vor Augen, wie viele Menschen ich im Stich lasse, wenn ich aufgebe oder still bleibe. Es geht also nicht um mich. Dadurch bin ich in der Lage, Misserfolge oder unsichere Phasen sofort wegzustecken und weiter dranzubleiben, wenn andere längst aufgegeben hätten, weil sie der Misserfolg zu sehr runterzieht, denn die Motivation nur für den eigenen Erfolg hat Grenzen. Dieses Übergeordnete ist nicht nur für dich selbst entscheidend – es ist der Motivationstreibstoff deines Teams. Wenn du diese viel größere Bedeutsamkeit des Erfolges mit absoluter Leidenschaft kommunizieren kannst, wirst du dein Team zu Höchstleistungen bringen in den Momenten, in denen alle anderen resigniert den Kopf in den Sand stecken.

Das ist aber nicht ausreichend. Wir haben einen Marathon vor uns, deshalb brauchen wir mehr.

Bring Spaß rein!

Wie sollen wir einen Marathon durchziehen, wenn wir nach dem ersten Drittel schon vor Anstrengung zusammenbrechen? Das verhindern wir, indem wir aus der Reise ein Spiel machen. Für dich als Persönlichkeit bedeutet das als erstes: mach dich peinlich. Humor und Lachen sind das Bindemittel deines Teams. Komm einfach mal mit Partyhütchen zur Arbeit und lauf den ganzen Tag so herum. Bring deine Leute aus dem Trott und der Ernsthaftigkeit, denn kreative oder gar disruptive Ideen kommen uns nur in den Sinn, wenn wir die Scheuklappen und routinierten Blickwinkel ablegen. Etabliere ein Klima, in dem es nicht nur in Ordnung ist, Fehler zu machen, sondern in dem es GEWOLLT ist, lustige, auf den ersten Blick sinnlose Dinge zu machen. 

Wir hatten ein Team, da tauchte plötzlich als Geschenk ein riesiger Eisbär auf. Dann fingen sie an, mit ihm an unterschiedlichsten Orten im Bürogebäude Fotos zu machen und einen eigenen Instagram-Kanal aufzubauen. Und in einer ungeklärten Nachtaktion saß der Bär plötzlich oben auf dem Dach des fünfstöckigen Gebäudes. Ja, das ist ziemlich bescheuert und welchen Sinn das nun gehabt haben soll, ist schwer zu erklären. Aber es schweißte das Team zusammen und führte zu einem Klima innerer Freiheit, sodass alle Teammitglieder vor Ideen für die eigentliche Arbeit sprudelten und über alle Maßen jeden Tag motiviert waren. Es trat dieses unglaubliche Gefühl bei allen ein, sich jeden Tag auf die Arbeit zu freuen und am liebsten auch noch den Abend miteinander zu verbringen, statt jede Minute zu zählen, die man dem Feierabend zu Hause näher kommt. Es hat eine unfassbar bindende Wirkung, die automatisch zu Höchstleistung führt, ohne das Team zu erschöpfen, weil es einfach Spaß macht.

Konflikte lösen

Wo Menschen, da treten auch Konflikte und Meinungsverschiedenheiten auf. Das ist ok. Die Frage ist: wie lösen wir sie? Wir haben gelernt, solche Situationen argumentativ zu lösen. Daher lass uns nun einen wichtigen Grundsatz festhalten: der Mensch braucht keine Konflikte – wenn Konflikte entstehen, ist immer die Beziehungsebene beschädigt, deshalb bringt es nichts, Lösungen auf der Sachebene zu suchen. Bleiben wir auf der Sachebene, ist der nächste Konflikt vorprogrammiert, weil die beteiligten Personen einfach grundsätzlich nicht an einem Konsens miteinander interessiert sind. Wie lösen wir stattdessen nachhaltig Konflikte, um uns nicht durch interne Spannungen selber lahmzulegen? 

  1. Wir unterbinden jede sich anbahnende Endlosdiskussion.
  2. Wir übergeben einer einzigen Person die Verantwortung für das diskussionsintensive Thema, um dafür eine Lösung oder Lösungsvorschläge allein oder in einem ausgewählten Expertenteam zu entwickeln, die dann entweder noch mal für alle vorgestellt und besprochen werden oder bereits allein als beste Lösung entschieden werden kann. 
  3. Wir veranstalten regelmäßig Wettbewerbe.

Ja, ganz genau. Menschen müssen auf einer komplett anderen Ebene zusammenwachsen und sich kennenlernen. Nur so bekommen sie ein Gefühl dafür, wer die anderen wirklich sind, wie ihre Verhaltensweisen, Formulierungen und Körpersprache zu interpretieren ist, erleben sich peinlich, bauen Vertrauen auf und die Angst vor Gesichtsverlust ab. Und selbstverständlich muss der Chef teilnehmen. Was eignet sich dafür? Gemeinsame Party-Abende mit Trinkspielen. Billard, Kicker, Escape Rooms, Walking Football, Boxen, Grillwettbewerb – alle Aktivitäten mit niedriger Kompetenzschwelle und verbindendem, lustigem Charakter. Denkt euch zusätzliche Team- und Einzelaufgaben als Spiel hinter dem Spiel aus. Denkt euch lustige Challenges aus, die im Verlauf der Arbeit erreicht werden müssen. Streicht alle steifen Firmenevents und Präsentationsveranstaltungen von der Agenda. Wenn ihr nicht lachend und singend am Ende des Abends zusammensitzt, ist es den Aufwand nicht wert.

Diese Aktivitäten dürfen kein einmaliges Jahresevent sein. Sie müssen Teil des Alltags und der Regelmäßigkeit sein. Unser Ziel sind enge Beziehungen. Nur wenn sich Menschen aufeinander verlassen können und kurze Dienstwege für Lösungen gehen, kann ein Unternehmen zum Speedboot werden. Solange Menschen in Organigrammen und abgegrenzten Zuständigkeiten denken, bremst sich das Unternehmen intern aus oder unterlegt sich sogar einem kompletten Stillstand.

Insbesondere für Männer ist es zudem wichtig, sich körperlich zu messen. Gerade zwei extreme Streithähne müssen die Möglichkeit erhalten, sich zu duellieren. Klingt vielleicht bescheuert und untypisch im Arbeitskontext, aber Fakt ist: das verbale Kräftemessen hört schlagartig auf, wenn die beiden bspw. im Boxring feststellen konnten, wer stärker oder geschickter ist. Zack, plötzlich herrscht wieder eine klare Rangordnung und die dämlichen Endlosdiskussionen sind beendet. Ja, der Mensch ist so rudimentär und das ist in Ordnung. Wir müssen es nur nutzen.

Es sollte eigentlich klar sein, aber nur um keinen Spielraum für Unklarheit zu lassen: harte Drogen müssen untersagt sein. Ebenso sollte klar ausgesprochen werden, dass niemand zu irgendwas genötigt wird oder mitmachen muss. Wer keinen Alkohol trinken will, trinkt keinen. Punkt. Auch sexueller Austausch zwischen Mitarbeitenden hat nichts am Arbeitsplatz zu suchen. Was wer privat macht, ist Privatsache. Es geht nicht um ein Verbot mit Strafe, aber um die Bitte, das Teamgefüge zu achten. 

Verklemmtheit adieu

Du bist der Maßstab für alles. Dein Team (egal ob 10 oder 10.000) nimmt mit Argusaugen wahr, was du lebst. Aus deinem Verhalten wird geschlossen, was erlaubt ist und was nicht. Sind chauvinistische Äußerungen erlaubt? Ist Feierabend um 16 Uhr erlaubt? Ist Bier trinken erlaubt? Muss man im Urlaub erreichbar sein? Muss man binnen 5 Minuten antworten?

Was immer du tust, wird auf die Goldwaage gelegt, ob du willst oder nicht. Nun haben wir aber gelernt bzw. bislang vorgelebt bekommen, ein Chef (egal ob männlich oder weiblich) sollte Distanz halten und eine Art professionelle Elternrolle von oben herab einnehmen. Insbesondere zwischen Männern und Frauen herrscht extreme Verunsicherung, was wie in Ordnung ist. Dir muss bewusst sein, dass Menschen derzeit in großer Verunsicherung leben: sowohl das Zusammenkommen unterschiedlicher Kulturen als auch die Veränderungen unseres Rollenverständnisses und Selbstbestimmung führen dazu, dass wir nicht mehr ganz genau wissen, wie man miteinander umgehen soll. Darf man sich umarmen? Darf man sich spielerisch in die Seite piksen? Darf man das Bein des anderen berühren? Darf man sich an die Schulter des anderen anlehnen? Wie viel Nähe ist angemessen? Darf man über private Beziehungen und Sexualität sprechen? Wie viele Details und welche Themen sind angemessen?

Allzu gern wird versucht, Teambuilding-Methoden umzusetzen. Aber die Wahrheit ist: es geht um viel rudimentärere Fragestellungen, die uns im Alltag verunsichern, für Spannungen oder Stillstand sorgen.

Nimm dich selbst und das Leben nicht so ernst – das ist für dich der wichtigste Punkt. Freundschaftliche Umarmung und das Du sind nicht nur eine Form der Ebenbürtigkeit, sie bauen Beziehung auf. Zahlreiche Manager würden zwar sagen, dass genau das zu vermeiden sein sollte, denn schließlich sind wir am Ende Geschäftspartner und die können im Falle einer Trennung sehr enttäuschen. Aber wer es vollbringt, Kollegialität und Ehrlichkeit zwischen Menschen aufzubauen, der wird stets Verständnis und Entgegenkommen erhalten und so auch die Momente meistern, in denen eine Trennung oder der Verzicht auf Forderungen notwendig ist. Eine wirklich starke Persönlichkeit schafft es, auch in den enttäuschenden Momenten die Beziehung zu halten und selbstreflektiert seine Schuld am Verlauf der Situation und sein größtes Bemühen für Fairness und Wohlbefinden des anderen zum Ausdruck zu bringen. Darum geht es auf tieferer Ebene.

Menschen arbeiten für Menschen. Und wenn du ein tiefes Fundament des Vertrauens aufbaust, wirst du ein Miteinander erleben, das jedes Homo oeconomicus Menschenbild komplett widerlegen wird. Um das zu kreieren, müssen wir an deine tiefsten Umgangsweisen und deine Persönlichkeit ran! Gut möglich, dass du vieles davon selbstverständlich lebst, aber so oder so: jetzt bringen wir Bewusstsein rein, denn dadurch kannst du noch achtsamer beobachten, in welchen Momenten es dir noch nicht gelingt oder du es noch mehr zum Ausdruck bringen darfst.

  1. Du bist unperfekt. Ich weiß, dass du das weißt. Aber ich will, dass es dir so sehr in Fleisch und Blut übergeht, dass du über dich selbst lachen kannst und in jedem Moment zum Ausdruck bringst, dass sowieso alle anderen viel schlauer und fähiger sind als du, ohne dass diese Aussage an deinem Selbstwert kratzt.
  2. Du bist schuld. Immer? Ja, immer. Es interessiert keine Sau, inwiefern du an einem Misserfolg oder Fehler beteiligt warst. Ab heute bist du der erste, der „Ich war’s! Das ist meine Schuld!“ schreit. Nur wenn du es radikal vorlebst, dass es kein Problem ist, Verursacher zu sein, und du zeigst, dass du dich bedingungslos vor jedes Teammitglied stellst, wirst du Vertrauen erhalten und dein Team ebenfalls ermutigen, stets in die Ehrlichkeit zu gehen. Und nur wenn dieser Grad an Ehrlichkeit und Verantwortung herrscht, Fehler und Misserfolge sofort auf sich zu nehmen, kann Geschwindigkeit in die Teamarbeit kommen, denn nur was uns bekannt ist, kann neue Lösungsideen von allen erhalten und somit verbessert und frühzeitig gelöst werden.
  3.  Mach den Dreck weg. Du lässt die anderen die Arbeit machen und bist schon beim Bierstand, weil es ja nicht deine Aufgabe ist? No fucking way. Du bist der Erste und Letzte auf dem Platz. Du packst mit an, vollkommen egal, wessen Aufgabe es ist.  Du schaust, was du noch jemandem abnehmen kannst oder welche Aufgabe noch zu erledigen sein könnte – und machst es. Nicht aus Perfektionismus. Sondern aus Kollegialität. Warum sollten sich andere für dich anstrengen, wenn du keinen Finger krumm machst? 
  4. Der andere hat Recht. Du erhältst Kritik und alles in dir will in die Rechtfertigung gehen? Halt die Klappe. Ja, einfach still bleiben und komplett zustimmen. Wenn du es ernst meinst, ein echter Leader sein zu wollen, dann musst du Kritik annehmen können. Und zwar nicht nur die Kritik, die dir passt, sondern insbesondere die, auf die du gar keinen Bock hast, denn nur davon lernst du. Ja, klar schauen Menschen immer durch ihre eigene Brille und projizieren ihre Komplexe auf dich. Aber in jeder Aussage ist dieser eine Kern Wahrheit: es bringt die Wahrnehmung deiner Ausstrahlung zum Ausdruck. Und auch, wenn viele noch nicht formulieren können, was wirklich der Kern ist, musst du lernen, dies rauszufiltern und dein Verhalten selbstreflektiert zu ändern, um deine Ausstrahlung zu verändern und somit eine neue Resonanz auszulösen, die jeden Menschen ein Gefühl der authentischen Herzlichkeit und Annahme fühlen lässt. Mach dich über dich selbst und deine Fehlbarkeit lustig. Und wenn dich eine Kritik wirklich trifft, dann gibt es nur einen Weg: sei dieser Person unendlich dankbar dafür, dass sie dich darauf aufmerksam gemacht hat und geh humorvoll in den „Challenge accepted“-Modus und beweis dir selbst (keinem anderem), dass du es kannst. Aber NIEMALS bist du beleidigt und NIEMALS gehst du in den Kampf, um dem anderen zu beweisen, dass er falsch liegt. Deine Kritiker sind dein größtes Wachstum. Wenn du sie mundtot machst, verliert nur einer: du. Die wichtigste Komponente für High Performance Teams ist Kritikfähigkeit, denn nur wenn wir ehrlich aussprechen, was uns durch den Kopf geht und was wir wahrnehmen, kreieren wir die genialsten Lösungen. Jedes Runterschlucken bremst aus.
  5. No excuses. Wie sehr lässt du dir selbst Ausreden durchgehen? Die Kinder, der Partner, der Körper, die Oma, der andere Fahrer, die Kollegen, die Umstände, das Geld, das Timing, der Geburtstag, die Weltwirtschaft, die Tageszeit, die Müdigkeit… KEINE AUSREDEN! Leb es vor. Geh hin, mach es, sei dabei, sag ja, bleib dran. Solange du dir Begründungen für Absagen, Misserfolge oder Aufgeben erlaubst, wird dich niemand ernst nehmen. Sie werden dich über kurz oder lang in die Schublade der Quacksalber packen, weil deine Handlungen kein Commitment zeigen. Und genau das wird dann dein Team ebenfalls leben. Wenn du willst, dass sie sich committen, sei du selbst bedingungslos committet.
  6. Du bedienst alle. Weil du die Führung hast, wird dir ab jetzt immer alles gebracht und bereitgestellt? Im Gegenteil: damit dein Team optimal arbeiten kann, spielst du den Kellner. Und zwar voller Freude. Was trinken und essen sie gern? Was bereitet ihnen eine Freude? Besorg es und bring es ihnen. Die Wahrheit ist ja: niemand braucht dich. Sie setzen um, du bist nur eine Schaufensterpuppe, die gut reden kann. Aber ohne dein Team wärst du nichts. Deshalb ist dein Job nun ein anderer: übergib alle operativen Tätigkeiten restlos an dein Team und tu nun alles, um ihnen die schönste Arbeitsatmosphäre zu schaffen, sodass sie sich gedanklich voll und ganz auf ihre Aufgaben konzentrieren können. 
  7. Das war Scheiße. Viele CEOs gewöhnen sich eine ziemlich krasse Schwurbel-Sprache an. Oft haben sie studiert, vielleicht sogar einen Doktor. Sie glauben, es wäre Ausdruck von Professionalität, wenn sie hochtrabend sprechen. Aber der Rest der Welt haut seine Gedanken in Dialekt raus. Und die Akademiker-Sprache schafft sofort ein Gefälle und Gefühl von Minderwertigkeit bis hin zu Missverständnisse, weil vieles schwammig ausgedrückt wird. Sag ganz klar: „Digga, das war Scheiße. Ich will xyz und ich weiß, dass du das kannst und dass du der/die Beste dafür bist.“ Red keine geschwurbelte Scheiße, aber mach auch niemanden nieder. Sei eindeutig. Das Entscheidende ist der zweite Satz: „Ich weiß, dass du das kannst!“ Empowerment gelingt nicht dadurch, dass wir alles in Watte packen und jedem Honig um den Bart schmieren. Wir brauchen Direktheit, aber eben aus der Haltung des Empowerments, nicht des Niedermachens.
  8. Heilige Scheiße, ist das genial! Freu dich über jede Leistung. Anerkenne sie. Hab den Blick für die Kleinigkeiten, die deinem Team meist völlig selbstverständlich sind. Warum? Dein Wort hat Gewicht. Mach dir bewusst, dass alles, was du sagst, fünfmal so bedeutsam ist wie von einem anderen. Jede noch so winzige Kritik wiegt wie eine Tonne. Jedes noch so kleine Lob beflügelt wie Engelsflügel. Du musst achtsam mit deinen Formulierungen umgehen, denn ihre Wirkung potenziert sich und führt zu einer Kette von Folgehandlungen und Gefühlen, die sich verselbstständigen – nur wenn du bewusst führst, verselbstständigen sie sich zum größten Erfolg, ansonsten gräbst du dir selbst dein Grab, weil deine unachtsamen Bemerkungen eine Negativspirale in Gang setzen.
  9. Sei peinlich. Menschen haben ein unglaublich großes Thema mit Scham und Fehlern. Die meisten haben gelernt, dass sie dafür Strafe oder sogar Ausschluss erhalten und somit tun sie unbewusst unfassbar viel, um Schammomenten und Fehlern zu entgehen. Genau das kreiert aber ein Ausbremsen unserer Arbeitsgeschwindigkeit. Was ist der schnellste Weg, um Menschen diese Angst zu nehmen und einen entspannten Umgang zu etablieren? Sei du die peinlichste Person im Raum. Nein, du musst nicht niveaulos werden, aber wir müssen ehrlich fühlen können, dass dich keine Peinlichkeit aus der Ruhe bringt und dass du immer mit Humor reagierst.
  10. Sei transparent. Es gibt nichts Verletzenderes als Heimlichtuerei und Taktieren. Und leider ist es immer noch die Antwort der meisten Manager, Dinge vorzuenthalten, um Konflikten aus dem Weg zu gehen. Die Menschen machen es in ihrer Partnerschaft und natürlich machen sie es auch bei der Arbeit. Durchbrich diesen Kreislauf. Mute deinem Team die Wahrheit zu. Bezieh sie mit ein in die Lösungsfindung. Zeig deine Unsicherheit und Ahnungslosigkeit. Teile deine Pläne und Gedankengänge. Menschen werden mit Frust antworten, wenn du etwas zurückhältst. Und du wirst nicht immer alles unter Kontrolle haben – es kommt der Moment, da bist du auf andere angewiesen und da musst du große Entscheidungen treffen. Und wenn du dann den Weg der Heimlichkeit wählst, wirst du dein Team verlieren und langfristig zahlreiche Konflikte erleben.
  11. Scheiß auf Titel und Lebensläufe. Welche Menschen möchtest du an deiner Seite? Die sich krampfhaft an ein Stück Papier klammern oder die einfach Bock auf das Thema und die Herausforderung haben? Wer wird größere Leistung erbringen? Indem du es ganz klar vorlebst, dass für dich keiner besser oder schlechter ist durch seinen Bildungsgrad, Titel oder Lebenslauf, wirst du Menschen zu kollegialen Partnern machen. Diese Tiefe der Wertschätzung für das Sein des Menschen ist unbezahlbar.
  12. Frauen in die Führung. Eine weiblich stolze Frau beflügelt Männer. Es ist wichtig, diese Dynamik zu verstehen. Männer geben sich mehr Mühe, freuen sich wie Kinder und wollen das beste Ergebnis erreichen, wenn sie unter der Führung einer Frau arbeiten. Wenn sie bewusst mit Standing agiert, entsteht die klare Botschaft: „Beweis mir, dass du was drauf hast! Hör auf, klein zu spielen. Zeig mir, was du wirklich kannst!“ Die Dynamik zwischen Mann und Frau wird gern rein sexuell betrachtet, in Wahrheit ist sie die stärkste beflügelnde Energie bei der Arbeit, weil sich Männer mit Frauen nicht in Konkurrenz sehen und daher die Angst vor Versagen ablegen können. Es kommt eine spielerische Komponente rein, die Männer zu Höchstleistungen beflügelt, wenn sie das richtige Maß an Übermut und Einschätzung ihrer Fähigkeiten finden.
  13. Sei fair. Der Mensch trägt ein immenses Gerechtigkeitsempfinden in sich. Schon bei kleinen Kindern können wir es beobachten. Wichtig ist dabei: um diese Kompetenz authentisch zu leben, musst du sie in jedem Lebensbereich umsetzen. Bei der Arbeit, genauso wie in jedem Moment in deinem Privatleben. Wenn du plötzlich bei einer Trennung total unfair wirst, wird dir nie wieder jemand Fairness abkaufen. Mach dir immer bewusst: es geht nie um den akuten Moment – jeder Moment ist nur dein Spielfeld, um deinen Werten und Kompetenzen treu zu bleiben. Es geht nicht darum, ob du heute recht hast und morgen nicht. Es geht darum, ob es dir gelingt, unabhängig von den Umständen und der konkreten Situation immer identisch deinem Wert entsprechend zu handeln. Jeder einzelne Moment hat Symbolwirkung! Stell dir niemals die Frage, was in dieser einzelnen Situation korrekt ist. Stell dir die Frage: Welcher Umgang entspricht meiner Rolle als Leader? Welcher Umgang hält das Ziel im Fokus und führt schnellstmöglich zur Lösung – damit wir weiter im Turbogang zum Ziel gehen können?
  14. Sei großzügig. Ich erlebe so viele, die geizig oder sparsam aufgewachsen und stolz drauf sind. Das ist in Deutschland sehr beliebt. Aber als Führungspersönlichkeit ist das der Tod. Sparsamkeit und Geiz werden als Arroganz, Undankbarkeit und Abwertung empfunden. Lad alle ein. Gib einen aus. Übernimm die Rechnung. Und zwar nicht aus Pflicht – mach es zu deiner tiefen Persönlichkeit, in der Großzügigkeit zu handeln. 
  15. Sei anpassungsfähig. Menschen haben ihre Themen. Der eine isst nur vegan, der nächste mag keine Butter, der übernächste kann nicht an Raststätten pinkeln. Aber du hast Bewusstsein. Und das verpflichtet dich, im Umgang und allen alltäglichen Anforderungen die anspruchsloseste, anpassungsfähigste Person zu sein, die jedem völlig unabhängig jeglicher Umstände aus vollem Herzen ein Lächeln schenkt – und daher niemanden auf den Keks geht mit Extrawürsten. Wenn auch noch du alles komplizierter machst, dreht der Rest durch. Mach es simpel. Entscheide dich binnen Sekunden. Konzentriere dich darauf, Ruhe und Freude auszustrahlen und keinem einzigen Grund dieser Welt die Macht zu geben, grimmig oder hektisch zu werden. Du wirst als Ruhepool gebraucht. Das ist tausendmal wichtiger als das richtige Dressing auf dem Salat.
  16. Dank an alle Beteiligten. Bedanke dich bei allen Beteiligten für alle hörbar, insbesondere bei denjenigen, die niemand sieht. Der Mensch trägt diesen tiefen Wunsch der Zugehörigkeit in sich. Und wenn du Menschen ausschließt, egal, ob bewusst oder unbewusst, wissentlich oder unwissentlich, wird es dir früher oder später um die Ohren fliegen, weil es sowohl in den Ausgeschlossenen als auch den anderen ein seltsames Bauchgefühl hinterlässt, das irgendwann als Frust zum Ausdruck kommt.
  17. Lösung geht vor Prozesstreue. Dir werden Menschen begegnen, die Prozesse lieben und sich standhaft an ihre Verantwortlichkeiten klammern. Ja, die brauchen auch ihre Wertschätzung. Aber wenn du nicht ganz klar im Team etablierst, dass die Lösung wichtiger ist als der Prozess, legt ihr euch lahm und verliert Kunden und High Performer, weil sie zutiefst genervt sind von Sturheit und Langsamkeit.
 
Auf deine Leader-Persönlichkeit, die Menschen zum genialsten Team machen wird.

In Liebe, Leonie

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