19. Dezember 2025

Es ist Zeit, dieses Paradigma zu durchbrechen – und die wahre Stärke des Besitzes zu leben.
Wenn du dich mit reichen Menschen unterhältst, dann gibt es zwei Lager:
1. „Ich habe Besitz als Wertanlage“.
2. „Besitz besitzt dich, deshalb besitze ich nahezu gar nichts.“
Und beide Antworten stammen aus dem Mangel, auch wenn die Betreffenden das gern vor sich selbst verschleiern. All diese Sätze stammen aus einer rein männlich geprägten Welt. Aber wie steht das Weibliche dazu?
Unser Menschenbild entspricht heutzutage dem Homo oeconomicus, der behauptet, alles nur aus wirtschaftlichen Gründen zu tun. Der Return on Invest ist stets seine Entscheidungsgrundlage. Aber so wird der Mensch nicht geboren. Das ist antrainiert. Der Mensch wird in vollem Urvertrauen geboren und erfährt Liebe, Fürsorge und Halt von Menschen, ohne etwas dafür leisten oder geben zu müssen und ohne die Angst, was ist, wenn er es nicht mehr hätte. Ein Baby ist einfach. Sein. Es schreit bei Unwohlsein. Und es vertraut, dass irgendwer kommt und wieder für Wohlsein sorgt, das es sich nicht selber geben kann (Nahrung und Berührung). Sein Beitrag dafür ist seine Verbalisierung des Bedürfnisses. Es würde niemals etwas „anlegen“ oder sparen, um zukünftig weiterhin Wohlsein zu erleben. Es hat jetzt Wohlsein und wenn das weg ist, tut es etwas, um weiter Wohlsein zu fühlen. Ohne Angst. Ohne Gedanken an die Zukunft.
Der Homo oeconomicus entspringt einer Lehre des Mangels, Wohlsein wäre nur begrenzt verfügbar und müsse durch schlaue Handlungen für die Zukunft gesichert werden. Irrsinn. Denn genau diese Basis unseres Denkens befördert uns in das Hamsterrad des Zwangs, ständig etwas tun zu müssen, um uns sicher und wohl zu fühlen. Tun wir nichts, kommt die Panik hoch, was uns zwar am Ende möglicherweise Wohlstand bringt, aber ein Leben in permanenter Panik und Anstrengung leben lässt. Und welchen Sinn hat das Leben, wenn wir nicht jeden Tag genießen können?
Die Natur des Menschen jedoch ist Urvertrauen.
Dass immer für uns gesorgt wird. Dass wir in Gemeinschaft leben. Dass wir einander unterstützen. Dass Freude, Existenz und Freiheit unser Geburtsrecht sind. Dass wir hier und jetzt glücklich sein dürfen. Dass wir selbst uns genug sind.
Wenn die Basis deines Handelns Urvertrauen ist, dann brauchst du nichts als Wertanlage. Dann kaufst du etwas aus der Freude und freust dich, wenn es zufällig zur Wertanlage wird, weil auch andere es schön finden, was du hast. Aber monetäre Wertsteigerung war nie das Ziel. Entwickelt es sich nicht als Wertanlage, bist du doch nicht enttäuscht, denn es erfüllte ja den Zweck, dich im Ausdruck deiner Freude zu erfreuen, oder? Wenn du einen Schmetterling anschaust und dich daran erfreust, bist du ja auch nicht wütend, wenn er wegfliegt. Und würdest du ihn einsperren, um dieses Erleben zu konservieren oder anderen zu zeigen, würde er sehr schnell sterben und wäre niemandem mehr eine Freude.
Die Natur des Menschen ist es, aus der Liebe heraus zu entscheiden: „Ist es liebevoll mit mir? Weckt das meine Neugier? Erlebe ich mich selbst dadurch? Kann ich dort einfach ich sein? Erfreut es mich beim Tun?“ So entscheidet ein fröhliches Kind. Das ist unsere Natur, bevor wir vom Mangel geprägt werden.
Besitz aus dem Mangel als Wertanlage zu kaufen, führt dazu, dass wir über kurz oder lang zu ihrem Sklaven werden.
„Wo die Begierde erlischt, dass der Arme reich, doch wo sie herrscht, da ist der Fürst dem Sklaven gleich.“ Gottfried Benn, dt. Dichter.
Es geht nicht um die damit einhergehenden Verpflichtungen, viel mehr geht es in einem glücklichen Leben um Entscheidungsfreiheit und Verbundenheit mit Menschen. Wenn nun aber „Wertsteigerung, Werterhaltung und Absicherung“ zum Entscheidungskriterium des Lebens werden, werden plötzlich Objekte, die Weltwirtschaftslage und Zukunftsprognose deine Herren. Plötzlich handelst du nicht mehr aus Liebe und Freude. Weder dir selbst noch anderen gegenüber. Lieber leidest du und blockst alle Wünsche von Menschen (oder deinem Körper) ab, als eine deiner kostbaren Wertanlagen verfrüht zu verkaufen bzw. deine Sicherheit aufzugeben. Die Vorstellung, mittellos zu enden, sorgt dann für Panik, obwohl das ja gar keine Kausalkette ist. Noch mal zur Erinnerung: es geht nicht um Wertanlagen als solches, sie sind neutrale Objekte. Es geht um die Haltung, aus der der Mensch handelt, weil sie der Samen der Pflanzen ist, die er später erntet.
Auch wenn der Mensch mit der Haltung „Ich habe Besitz als Wertanlage“ zwar mit hoher Wahrscheinlichkeit in hohem Alter wohlhabend ist, ist die Wahrscheinlichkeit ebenso hoch, mit dieser Haltung viele Beziehungen zerstört bzw. nie aufgebaut zu haben und viele Tage des Lebens einsam mit Pflichterfüllung zu verbringen. Ist es das wert?
Die menschliche Notwendigkeit, Besitz als Wertanlage anzuschaffen, haben wir somit widerlegt.
Aber ist es wahr, dass Besitz besitzt und man deshalb gänzlich die Finger davon lassen sollte? Klar, Mieten, Leasen, Pachten, das alles entbindet mich im besten Fall von den nervigen Tätigkeiten, wie Wartung, Instandhaltung und gesellschaftlichen Pflichten. Aber hält es mich frei und glücklich?
Männer und Frauen unterscheidet eine Sache:
Eine Frau wird schwanger, trägt ein Kind 9 Kalendermonate im Bauch, bringt es zur Welt und baut in der Regel eine so tiefe Bindung zu ihrem Kind auf, dass es eine Selbstverständlichkeit ist, es anschließend groß zu ziehen. Ein Mann schwängert eine Frau – und ist dann Zuschauer.
Das Erleben, das Wachstum eines Lebewesens monatelang gefühlt zu haben, eins mit ihm gewesen zu sein, Schmerzen für es durchlebt zu haben, kann kein Mann dieser Welt jemals nachempfinden. Und auch wenn Männer ebenso tiefe Liebe entwickeln können, trennen sie sich sehr häufig emotional davon und lassen sich mehr von ihren Ängsten steuern als Frauen, die es nur in den seltensten Fällen übers Herz bringen würden, ihr Baby abzugeben. Ein Baby ist jedoch ständig am Fordern: selbst wenn es still ist, fühlt eine Mutter, was es braucht, und macht und tut, um dies zu erfüllen. Im Grunde ist ein Kind Besitz, auch wenn wir es nicht besitzen: es verpflichtet uns zur Fürsorge und Anpassung und ist somit viele Jahre ein Klotz am Bein.
Der große Unterschied ist nun: Frauen stellen sich, ohne auch nur einen einzigen Zweifel daran, dieser Verantwortung. Noch mehr noch: Sie empfinden es sogar als Glück, diese Verantwortung tragen zu dürfen.
Ja, Besitz verpflichtet dich und scheint somit deiner Freiheit im Weg zu stehen. Aber nur, wenn du zulässt, dass dein Verstand nach Bedürfniserfüllung schreiende Stimmen halluziniert, denen du (möglichst sofort) gerecht werden und dich für sie einschränken sollst. Genauso wie es das innere Wachstum einer Mutter ist, in die eigene Autorität zu gelangen und kein Hampelmännchen ihrer Kinder, ihres Partners, des Haushalts und der Arbeit zu sein. So fordert dich auch Besitz heraus, aus deinen antrainierten Pflichterfüllungsmustern auszubrechen. Kennst du die Frauen, die ständig staubsaugen müssen? Irgendwann kaufen sie sich einen Handstaubsauger und saugen dann 20mal am Tag, womit sie ihr ganzes Umfeld nerven und sich selbst stressen. Warum tun sie das? Niemand verlangt von ihnen einen permanent krümelfreien Haushalt. Sie tun es, weil die Krümel förmlich nach ihnen schreien. Da ist eine imaginäre Stimme des Tadels oder der Strafe (aus der Kindheit übernommen von der Mutter oder Oma) in ihrem Ohr, die sie wie ein Gefängniswärter antreibt und immer pedantischer werden lässt. Doch sich dieser Panik, die Hygieneanforderungen anderer nicht zu erfüllen oder Kreditraten nicht zahlen zu können oder ohne Haus wertlos zu sein oder die Heimat bei Verkauf zu verlieren, zu stellen und nun bewusst aus diesem mentalen Gefängnis auszubrechen, ist mehr wert, als dein Leben lang davor wegzulaufen und bloß niemals Besitz zu haben, um nicht dessen Sklave werden zu können.
Besitz, der aus der Freude zur freien Entfaltung und Fürsorge für Menschen gekauft wurde, nährt dein Gefühl von Erfüllung und Freiheit. Auch das Loslassen gehört zu diesem Prozess: indem du dich deinen Ängsten stellst und Hingabe, Urvertrauen und das Hineinentspannen in den wahrgenommenen äußeren Sturm trainierst, wird jede Entscheidung ein Baustein deiner persönlichen Weiterentwicklung. Weder Objekte noch Lebenszustände oder Umgebungen sind dein Gefängnis: du bist es, der daraus ein Gefängnis für sich baut. Also kannst du es auch durch einen simplen Shift deiner Gedanken jederzeit ändern und vollkommen neu erleben.
Freiheit ist die Freiheit, nichts verlieren zu haben.
Nur dieser innere Zustand gibt dir echte Freiheit. Nichts verlieren zu haben. Das ist ein mentaler Zustand. Besitz, genauso wie Status und auch geliebte Menschen, provoziert nur besonders stark erstmal das Gefühl der Verlustangst oder Belastung. Aber der Weg zu dieser inneren Freiheit ist nicht, keine (zusätzlichen) Verpflichtungen einzugehen. Denn diese Schlussfolgerung würde dazu führen, dass du niemals tiefe Liebe erleben würdest, denn Liebe ist immer auch Verpflichtung, selbst wenn sie diese nicht fordert. Du fühlst dich einem Menschen aus Liebe verpflichtet – das ist ein schönes Gefühl! Wenn dies ein schlechtes Gefühl bei dir auslöst, lebst du keine tiefe Liebe. Ganz simpel. Tiefe Liebe ist Schmerz – der Schmerz, es nicht ansehen zu können, wenn der geliebte Mensch leidet oder Gefahr läuft, zu leiden. Und genau das kreiert automatisch das Gefühl der Verpflichtung. Die meisten Menschen erleben dies jedoch erst durch eigene Kinder in seiner wahren Tiefe, weil sie gar nicht in der Lage sind, sich einem erwachsenen Menschen gegenüber so tief zu öffnen, dass sie wirklich tiefe Liebe zulassen. Die meisten Menschen haben zu viel Misstrauen und Angst vor Verletzung gegenüber Erwachsenen, was tiefe Liebe unmöglich macht. Aber der einzige Weg aus der Angst ist DURCH die Angst. Ihr aus dem Weg zu gehen, löst gar nichts. Es verschlimmert das Gefühl nur noch mehr und fällt dir irgendwann umso härter vor die Füße. Irgendwie bringt das Leben es mit sich, dass wir unbewusst einen tiefen Drang danach haben, tiefe Liebe zu erleben. Es könnte damit zu tun haben, dass wir ansonsten das Gefühl, nicht vollständig liebenswert zu sein, nicht allein auflösen können. Egal, wie viel wir meditieren oder uns selbst Liebesbriefe schreiben. Das Erleben, bedingungslos liebenswert zu sein, können wir nur durch einen anderen Menschen erleben, ansonsten zweifeln wir es immer unterschwellig an. Der Weg zur echten Freiheit ist nun konkret also: durch das schmerzhafte Erleben tiefer Liebe. Und dem darauf folgenden Erlernen, diesen Schmerz zu halten und den geliebten Menschen in der vollen Eigenverantwortung für sein Wohlergehen und seinen Lebensweg loszulassen, obwohl alles in uns schreit, ihn festhalten, vor Leid bewahren und uns selbst vor Schmerz schützen zu wollen. Dies emotional zu halten und voll und ganz anzunehmen, dass du den anderen nicht kontrollieren kannst – mehr noch: dass du die Liebe zerstörst, wenn du versuchst, ihn zu kontrollieren – führt dich in die erfüllende innere Freiheit, denn nun trägst du die Liebe tief in dir und bist dir zugleich bewusst, dass sie darin besteht, alle Objekte, Subjekte, das Ego und seine Ängste und Erwartungen innerlich loszulassen und deinen Weg zu gehen, gemeinsam und ebenso jeder auf seinem eigenen Pfad. Jetzt hast du nichts mehr zu verlieren.
Kommen wir noch mal zur Wertanlage.
Es ist ja ein wundervolles Geschenk, wenn dein Besitz im Wert steigt und du es jederzeit deiner Freiheit und Liebe folgend verkaufen kannst. Jetzt kommt die größte Beruhigung deines Lebens: Was immer du aus der tiefen Liebe und zum Wohl für andere Menschen tust, wird zur erfolgreichsten Wertanlage, auch in Zeiten der Wirtschaftskrise. Sowohl Immobilien, Autos, Aktien als auch Erlebnisse, Wissensaneignung und Weiterentwicklung. Denn deine tiefe Liebe erhöht die Wahrscheinlichkeit um ein Vielfaches, dass es auch andere im Herzen berührt und begeistert – und wo Angebot auf Nachfrage trifft, erhöht sich der Wert. Das Objekt ist egal. Immobilien haben nur diesen wundervollen Nutzen, Menschen Heimat und Zusammensein zu schenken und so Grundlage von Gemeinschaft zu sein. Wenn du sie also aus dieser Intention heraus kaufst und pflegst, dann werden sie immer Quelle deiner Freude sein, dir Selbstentfaltungsmöglichkeiten schenken und das unfassbare Glückserlebnis ermöglichen, Menschen zu dienen und an ihrem Glück teilzuhaben. Und diese Form von Liebe, die sich daraus speist, anderen in ihrer Freude und Weiterentwicklung zuschauen und teilhaben zu dürfen, geht tiefer als jedes Erlebnis und jeder Erfolg es dich jemals fühlen lässt. Dieses Glücksgefühl wirst du dein Leben lang im Herzen tragen. Das ist der wertvollste Wohlstand, aus dem immer noch mehr Wohlstand entsteht. So wie der Invest der Liebe einer Mutter zu ihrem Kind ihr einen Menschen schenkt, der stets zu ihr hält und sie auch im Alter unterstützt, wenn sie längst nichts mehr geben und beitragen kann.
„Ist es liebevoll mit mir? Weckt das meine Neugier? Erlebe ich mich selbst dadurch? Kann ich dort einfach ich sein? Erfreut es mich beim Tun?“. Stelle dir diese Fragen. Und wenn es das nicht erfüllt, ist es entweder für den Moment noch nicht richtig für dich – oder du fragst dich: „Wie kann es für mich dazu werden?“. Und dann tust du genau das. Auch wenn es Verpflichtung, Verantwortung und potenziellen Schmerz mit sich bringt.
In Liebe, Leonie