7. August 2026

Meine Mutter als so called „langjährige Geliebte“ ist für viele der Inbegriff der gefürchteten, niederträchtigen Ehebrecherin ist und ich bin als „sexting und dann gelogen“, „seit einem Jahr offene Rechnungen“ sowie „sie liest lieber, statt für die Kinder zu kochen“ oder „sie hat mein Zitat angepasst, das ist Rufmord“ natürlich ebenfalls eine „lügnerische, versagende Heuchlerin“ in Person bin. Warum das so kam oder wie genau das in Wahrheit war, ist ja unwichtig (*ironie*). Hauptsache, als heiliger Mensch überheblich urteilen, ohne Hintergründe, Absichten und Verlauf zu kennen. Genau das tun die besonders moralisch Überheblichen – und nutzen dabei geschickt den Mechanismus des Gehirns, die eigene Fehlbarkeit so tiefgehend auszublenden, dass sie am Morgen noch hochtrabend von der Kanzel über Liebe predigen und am Abend Kinder missbrauchen können.
In diesem Text spreche ich über die Gefahr von Tabuisierung, Selbstleugnung und Guruismus und stelle mich selbst dafür übertrieben ins schlechte Licht. Denn alles, was geschieht, ist natürlich immer eine Frage der Perspektive und Informationslage. Und wer darauf verzichten, einen Menschen verstehen zu wollen, der wird über etwas urteilen, das möglicherweise in Teilen der Wahrheit entspricht, aber eben nicht den Kontext und Zusammenhang verständlich macht, wodurch Fehlurteile zustandekommen. Genau deshalb sprechen die meisten über bestimmte Themen, Ereignisse und Wünsche nicht, riskieren aber genau dadurch, dass sie sich verselbstständigen, weil die Psyche langfristig nicht damit zurechtkommt, einen Teil von sich zu verstecken.
Wir haben ein großes Problem in der Welt: fehlendes Skin in the Game.
Psychologen, Psychiater, kirchliche Verantwortungsträger, Ärzte, Therapeuten, Anwälte, Politiker… sie alle können wunderbar über die Dynamiken der Psyche und moralisch korrekte Wege referieren – und es waren genau sie, die in den Epstein-Files oder der Kirche durch Kindesmissbrauch straffällig wurden.
Ich erzähle im Prinzip nichts Neues. Was ich tue, ist: ich stelle mich ins Feuer der Verantwortung. Ich sage dir: „Ich bin schlecht.“ (weil manches nicht klassischen Gesellschaftsidealen entspricht) – und dann beobachte ich, wie du reagierst. In dieser wahrhaftigen Konfrontation kannst du keine heilige Maskerade aufrechterhalten. Du musst wählen, ob du mich als Kind einer Geliebten und eines Fremdgeh-Lügners, als Rechnungen-noch-nicht-Bezahlende, als Sexting-Fremdgehende, als Geschiedene-mit-3-Kindern, als Dior-Schuh-Liebhaberin, als Kinderbilder-auf-Social-Media-Teilende, als Sex-Begeisterte (genau da, wo es hingehört: in meiner verbindlichen Partnerschaft auf Augenhöhe, nirgendwo sonst) noch lieben und als den liebevollen, verlässlichen Menschen sehen kannst, der ich bin. Ich tue nicht so, als hätte ich keine Schatten, weil Schatten, sobald du in der Öffentlichkeit stehst, entweder zum permanenten Pulverfass oder zur Selbstleugnung und eigenen Realitätsverzerrung mutieren, um sich selbst im Spiegel erzählen zu können, ein besonders guter Mensch zu sein, in Wahrheit aber an existenzieller Panik zu ersticken, alles zu verlieren, wenn die eigenen animalischen Sehnsüchte und moralischen Abwege ans Licht kommen. Da sie nun mal aber da sind, werden sie im Untergrund, meist an den Schwächsten der Gesellschaft, die sich nicht wehren und nicht verstehen können, ausgelebt – und so entsteht dann ein Deepak Chopra und co, die Millionen Menschen auf der Welt von Bewusstsein, Heilung und göttlicher Weiblichkeit erzählen, während sie sich über „cute girls“ mit Epstein unterhalten.
Entscheidend ist aber: ich verstehe diese Menschen. Ich hege keinerlei Vorwürfe gegen sie, die Kinder oder Menschen mit Behinderung oder im Koma Liegende sexualisierten und missbrauchten – ich bemitleide sie, weil es einfach eine logische Konsequenz ihrer Selbstunterdrückung und der Masse ist, die scheinheilige, selbstunterdrückende, moralisch oberkorrekte Gurus feiert und sich echauffiert, wenn diese preisgeben, ganz normale Menschen zu sein. Wieso sollte ein Mensch weiser oder fähiger sein, wenn er am Ende doch bloß dieselben Probleme wie „ganz normale Menschen“ hat?
„Nicht der Kriminelle ist kriminell, sondern die herrschenden Verhältnisse.“
Und die herrschenden Verhältnisse sind konsumierende Menschen, denen man etwas verkaufen und deren Gunst man erlangen will, also fängt man Schritt für Schritt für Schritt an, sich selbst durch ihre Augen zu sehen und alles von sich abzuschneiden, das ihnen missfallen könnte. Schwups, hast du Millionen Dollar auf dem Konto, tausende Zuschauer auf deinen Events – und eine ekelhaft verstümmelte Heilig-Version deiner selbst.
Ich teile konkret und ehrlich, weil ich keine Lust auf heilige Theoriekonstrukte habe. Ich zwinge den Menschen zur Handlung und Entscheidung: „Komm mit mir als fehlbarem Mensch klar – was ein großer Unterschied zu bewusster Hinterlistigkeit ist – oder verpiss dich (entschuldige bitte Ausdrucksweise). Ich werde nichts von meiner Existenz zurückhalten für deinen Seelenfrieden. Ich stürze dich ins moralische Chaos, wenn du instabil bist. Bleib nur, wenn du Echtheit ertragen kannst und möglicherweise sogar begriffen hast, dass du dir daher eines bei mir gewiss sein kannst: ich tue immer, was ich von Herzen voller Überzeugung denke und mir für den Menschen wünsche, und liebe dich unerschütterlich in all deiner Unperfektheit. Ich urteile nicht. Ich sehe die Zusammenhänge und weiß, wohin es einen Menschen aus Hilflosigkeit, Angst, Pflicht und reiner Menschlichkeit drängen kann.“
Fürchte die Perfekten und Heiligen – denn um diesen Schein zu wahren, gehen sie über Leichen.
Gruß, Leonie (Wanda Madeleine Malinowski geb. Schlick)✌️