Geld und Prostitution

Du hast schon eine Menge versucht, aber das nächste Level an Geldeingang, Vermögen oder Tiefe einer Beziehung erreichst du einfach nicht oder kannst es nicht halten? Und allmählich hältst du dich für unfähig oder empfindest es als zu anstrengend, deshalb schreit eine Stimme in dir laut „aufhören“? Da ist die leise Stimme der Freude in dir, die mehr will, aber mit jedem weiteren Schritt ins Unbekannte wird die Panik immer lauter, damit ein zu hohes Risiko einzugehen, alles zu verlieren? Honey, I feel you. Aber eines kann ich dir schon mal mit Gewissheit sagen: Du bist nicht unfähig, da wirkt etwas anderes in dir und das gilt es jetzt zu transformieren!

Lass uns heute in eine der tiefgehendsten Dynamiken deines Unterbewusstseins, deiner Prägung und Aufgabe als female servant Leader in Bezug auf Fülle eintauchen.

Du musst ein Bewusstsein für diese Mechanismen entwickeln, ansonsten kommst du an bestimmten Punkten nicht weiter oder läufst rigoros in Situationen, die dich mental zu Fall bringen und daher in den Misserfolg oder Zusammenbruch stürzen. Es ist der Punkt, wo Menschen plötzlich beginnen, Drogen zu nehmen, Süchte, Migräne, Schlafstörungen und andere psychosomatische Symptome zu entwickeln, korrupt oder verletzend zu werden, oder Familienangehörige Krankheiten, Unfälle oder Ticks kreieren. Du machst das hier nicht nur für dich. Indem du diese Dynamiken durchschaust, schützt du dein gesamtes Umfeld.

Wir haben heute die einmalige Chance, das tiefste Trauma des Menschen zu wandeln. Aber erst erzähle ich dir eine Geschichte.

Ich wuchs in einer Patchworkfamilie auf. Meine Eltern lebten nie zusammen. Ich war die dritte von drei Schwestern. Mein Vater hatte aus erster Ehe zwei Töchter, die 20 Jahre älter sind als ich. Ich entstand aus einer Geliebtenbeziehung – und trug fortan diese Verurteilung in mir. Schon im Kindergartenalter fühlte ich mich schuldig für die Konflikte in meiner Familie, denn ich war ja (aus meiner Sicht) der Grund, dass sie unweigerlich auf ewig miteinander verschweißt waren, was sie zu Kompromissen zwang, die sie nie eingehen wollten. Ich wollte verschwinden, unsichtbar sein, bloß niemandem zur Last fallen. Und unwissentlich nahm ich die Haltung ein: „Lieber euer Glück als meines. Lieber leide ich, als euch leiden zu sehen. Ich opfere mich, damit ihr glücklich sein könnt. Ich übernehme alle Schuld. Ich stelle mich zur Verfügung, um euren Schmerz zu heilen.“ Ein solches Verhalten bei einer 8-jährigen zu sehen, ist offensichtlich ver-rückt. Aber Kinder sind so: wenn die Erwachsenen nicht in die Verantwortung und Lösung ihrer Themen gehen, wählen Kinder die Position in der Familie, die dem Gesamten am meisten Frieden bringt – selbst wenn sie dafür das größte Leid in Form von Krankheit, Misserfolg und Selbstverleugnung tragen.

Um Liebe, Geld und Zugehörigkeit zu erhalten, „prostituieren“ wir uns.

Ich trug also das Muster in mir: „Um mich der Liebe der anderen würdig zu fühlen, muss ich mich opfern – und ich fühle mich nur geliebt, wenn ich ihre Sehnsucht füllen kann, ansonsten kriege ich Panik, sie zu enttäuschen und somit zu verlieren.“ Ich war also zutiefst geleitet von Verlustangst.

Jetzt lass uns die letzten Jahrtausende des Menschen anschauen. Findest du das Muster? Genau: da Frauen ohne Mann zum Tode verurteilt waren, war immer klar, dass sie sich selbst zu opfern haben. Und auch Männer, die im Kollektiv aufmüpfig waren, setzten sich immenser Gefahr aus. Jede Form von Selbstbehauptung wurde mit Ausschluss oder Verletzung bestraft. Durch die Kirche wurde es vollends zum Ideal erklärt, in der Aufopferung den heiligen Pfad zu sehen. Und so ist die Selbstaufopferung tief in uns verinnerlicht. Bis heute trauen sich die meisten nur, von Erholung und Luxus-Käufen zu erzählen, wenn sie im selben Satz zum Ausdruck bringen können, wie viel sie dafür zuvor durch Arbeit, Kinder, Schicksalsschläge oder Krankheit gelitten haben. 

Doch die letzten Jahrzehnte haben unseren Selbstwert und unser inneres Sicherheitsgefühl durch die Entwicklung unserer Gesellschaft mehr und mehr erhöht. So langsam kommt es in unserem Herzen an, dass wir nicht mehr gesteinigt oder enthauptet werden, wenn wir eine andere Meinung haben oder Idealen widersprechen. Die europäische Generation Z wächst in einem gänzlich anderen Gefühl von Freiheit auf als wir. Wie oft hast du schon gehört: „Also, die Gen Z ist ja unfassbar arrogant. Was für eine Anmaßung, ins Arbeitsleben einzusteigen und sofort Teilzeit, Homeoffice, hohe Bezahlung und Dienstwagen zu verlangen!“ Genau dies ist Ausdruck unserer tiefen Aufopferungsprägung. Wir glauben, wir müssten erst leiden, bevor wir einen Umgang auf Augenhöhe erhalten könnten. Wir könnten ja auch sagen: „Wow! Was für ein Selbstbewusstsein! Sie werden den Weg finden, wie sie sich das sofort ermöglich können und nicht erst 10 Jahre warten müssen wie wir.“ Doch auch für die Gen Z gibt es die Grenzen unseres kollektiven Bewusstseins, wo die alten Mechanismen unwissentlich zurückkehren. Es ist der Punkt, wo wir plötzlich doch wieder denken: „Oh, ich bekomme xyz, deshalb muss ich jetzt alles tun, was der andere von mir verlangt. Selbst, wenn ich mich bis zur Unkenntlichkeit verbiegen muss.“

Je ausgeprägter unser Selbstwertgefühl ist, desto mehr rebelliert hier etwas in uns. Doch meist haben wir noch keine Worte dafür. Wir können es nur als Unwohlsein beschreiben. Als Bauchgefühl, das sich irgendwie nicht stimmig anfühlt. Aber was ist es in Wahrheit?

Zum Glück ist unser Unterbewusstsein schlauer als wir. Und deshalb meldet es in diesen Momenten: „Achtung! Wenn du x Euro / dieses Level an bedingungsloser Liebe / Zugehörigkeit erhältst, empfindest du ein so hohes Schuldgefühl, dass du dich gezwungen fühlst, alles für den anderen zu tun – selbst wenn er von dir unmenschliche Dinge verlangt.“ Es schützt uns vor uns selbst. Nicht vor anderen. Vor uns selbst! Es weiß, dass wir auf dem nächsten Level plötzlich unsere natürlichen, sinnvollen Grenzen überschreiten, um uns des Erhaltenen würdig zu fühlen und sicherzustellen, nicht verlassen / „gekündigt“ zu werden.

Da wir kollektiv das Prostitutionsmuster in uns zu heilen haben, stößt ausnahmslos jeder von uns an diesen Punkt:

Wir opfern unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden, unser Privatleben, unsere Integrität, um Geld/Liebe/Zugehörigkeit zu erhalten. Laut Studien machen aktuell 78% der Arbeitnehmer Dienst nach Vorschrift, über 7,3 Millionen Beschäftigte in Deutschland haben innerlich gekündigt, über 44% der Verheirateten denken über eine Scheidung nach: sie machen also täglich weiter, obwohl es ihnen beschissen geht und kein Licht positiver Entwicklung am Horizont zu sehen ist. Sie prostituieren sich für Geld/Liebe/Zugehörigkeit.

Aber es geht noch tiefer.

Unser Unterbewusstsein funktioniert so, dass wir immer Menschen begegnen, die als Äquivalent auf unsere Muster funktionieren. Stell es dir wie Puzzleteile vor: du fühlst dich magisch zu Strukturen und Menschen hingezogen, die sich perfekt bei dir einklinken können. Solange wir uns durch (Existenz- und Verlust-)Ängste führen lassen, klingst du dich dort ein, wo dein innerer Mangel auf ihren Mangel stößt. Bei mir äußerte es sich folgendermaßen: schon mit 8 Jahren kamen immer wieder Jungs und Mädchen zu mir, die sich unsterblich in mich verliebten. Ja, auch Mädchen himmelten mich abgöttisch an. Und ich verstand nie den Grund. Alles, was ich mir herleiten konnte, war, dass ich nett und hilfsbereit war. Je älter ich wurde, desto mehr machte es mir Angst. Bei Zeltlagern erfuhr ich hinterher, dass mich Jungs nachts geküsst hatten, während ich schlief. Ich entging mehrfach nur um Haaresbreite körperlich verletzenden Übergriffigkeiten. Mit 14 Jahren zog ich mich dann endgültig immer mehr zurück, versuchte unsichtbar zu werden, meine Haut reagierte mit starken Unreinheiten, ich wurde magersüchtig und depressiv. Und sogar in meinen 30ern, als all das längst hinter mir lag, geriet ich wieder in  diese überfordernden Situationen mit Menschen, die mich körperlich bedrängten.

Was geschah da? Mein Muster „Ich heile deine Sehnsucht nach Zuwendung, damit es dir wieder gut geht“ stieß auf den tiefen Mangel an Liebe in diesen Menschen, wodurch ich eine so überdimensionale Anziehung auf sie ausstrahlte, dass förmlich jede normale Zurückhaltung durchbrochen wurde. Und weil ich so große Panik hatte, einen Menschen durch Zurückweisung zu verletzen, erlaubte ich mir kein einziges Wort der Klarheit über meine unantastbare Würde. Ich geriet in diesen Momenten in eine Schockstarre und wurde komplett sprach- und handlungsunfähig.

Jetzt schließen wir den Kreis…..

Stell dir vor, ich gebe dir heute 100 Millionen Euro. Kannst du in deiner vollen Größe mir gegenüber bleiben? Oder hast du plötzlich diesen Satz im Ohr: „Ich mach alles, was du willst.“? Erst wenn du das Muster erkennst und durchbrichst, kann dein Unterbewusstsein den Weg frei machen. Vorher schlägt es zurecht Alarm und blockiert. Es schützt dich vor selbstzerstörerischer Aufopferung und Integritätsverlust.

Stell dir immer die Frage: Würde ich das hier auch und genau so tun, selbst wenn ich niemals Geld oder Liebe oder Zugehörigkeit dafür erhalten würde? Das ist der Weg deiner Integrität. Wenn da ein Nein käme, stoppe es und frage dich: was will ich wirklich?

Wenn wir also die Identifikation mit der Prostituierten in uns (jupp, ich drücke es bewusst so drastisch aus, damit du es ein für allemal beendest und klipp und klar die Entscheidung triffst: „NIE WIEDER VERKAUFE ICH MICH! FÜR NICHTS UND NIEMANDEN!“) beenden, was machen wir dann stattdessen ab jetzt?

Als female servant Leader (was nichts mit Mann oder Frau zu tun hat) ist es dein Weg, deiner Wahrhaftigkeit, Integrität und inneren Führung zu folgen. Du beendest alle Muster der Opferhaltung, Existenz- & Verlustangst in dir. Und lebst die Haltung: „Geld, Liebe & Zugehörigkeit sind unser Geburtsrecht und kommen in jedem Moment mit Leichtigkeit zu mir – ich schenke es und ich empfange es aus purer Freude. Auf dieser Ebene begegnen wir uns. Wir kreieren die schönste Zeit und die schönsten Visionen, um uns gemeinsam am Leben zu erfreuen. Die Würde jedes einzelnen wird gewahrt. Wer das mental nicht halten kann, geht bitte eigenständig in die Lehre und heilt es für sich. Denn hier ist nur Raum für Begegnung in voller Größe.“

Du führst Menschen durch Sinnhaftigkeit und Freude. Deshalb brauchst du all die Macht-, Kontroll- & Schutzinstrumente nicht, die andere nutzen, um Menschen gegen ihren natürlichen Antrieb hinweg zu motivieren oder sich vor anderen zu schützen.

Geld, Liebe und Zugehörigkeit sind nicht an Leistung gekoppelt. Das widerspricht maximal unseren Wirtschaftsprinzipien, richtig? Ja und nein. Ich sage nicht, es solle nichts geleistet werden. Ich sage: es soll nichts erzwungen werden, was der Mensch nicht aus seiner Integrität heraus gibt. Manch einer wirft mir nun vor, darauf basierend könne man kein Unternehmen mit all den Tätigkeiten führen, die eben auch mal keinen Spaß machen oder Überstunden erfordern. Doch, kann man. Jeder wird mal Überstunden oder nervige Tätigkeiten MIT FREUDE tun, der sich durch Sinnhaftigkeit geführt und mit seiner Integrität verbunden fühlt. Darum geht es. Nicht gegen sondern MIT dem Menschen zu wirken. Und ihm zugleich die Erlaubnis zu geben, jederzeit Nein sagen zu dürfen, ohne Strafe befürchten zu müssen.

In Liebe, Leonie

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