7. September 2025

Lange glaubten wir, High Performer seien stark aus unserer Leistungsgesellschaft konditionierte Menschen, deren Selbstwert der Leistung entspringt und die sich somit mit Leistungserbringung mehr und mehr von sich selbst entfernen.
Doch ich möchte dich heute in die Welt der High Performer mitnehmen, deren Antrieb nicht die Medaille für sich selbst ist… sondern das Verantwortungsbewusstsein für die Gesellschaft. Ja, sie feiern Siege und Erfolge. Aber ihr Antrieb ist die tiefe Sehnsucht nach starkem Zusammenhalt und glücklichen, freien Menschen.
Der erste Schritt für dich als female servant Leader ist es, die Psyche dieser Menschen zu verstehen. Denn nur, wenn du ihren wahren Antrieb erkennst, kannst du ihnen wirklich gerecht werden. Sie erleben allzu oft den Schmerz, sich missverstanden zu fühlen, weil man ihnen Egoismus, Ignoranz und Hinterherrennen von Leistungszielen vorwirft. Die meisten Führungskräfte versuchen sogar, sie zu „belohnen“ mit Geld oder Auszeichnungen, Prestige oder Statussymbolen. Ja, am Anfang hat das noch Wirkung, aber ab einem bestimmten Punkt führt genau dieser Weg dazu, High Performer zu verärgern, weil sie sich nicht gesehen fühlen und kein Wachstum mehr erkennen.
Wer also sind diese High Performer?
Auch wenn es oft nicht diagnostiziert wurde und von außen oft nicht sichtbar ist, sind sie fast immer stark feinfühlig, empathisch und hochbegabt.
Doch genau dies führt oft schon in frühster Kindheit dazu, dass es ihnen so sehr wehtut, andere benachteiligt zu sehen oder sich missverstanden zu fühlen, sodass sie ihre Besonderheit unter starken Schutzmechanismen verstecken. Sie haben die besondere Gabe, ihr Gegenüber extrem schnell und gut einschätzen zu können, oftmals vor allem extrem schnell dessen Triggerpunkte zu erkennen und ggf. mit größter Genugtuung zu drücken, sodass sie oft als empathielos gelten, obwohl das Gegenteil der Fall ist. Auch entwickeln sie gern eine gewisse Art des Autismus als Selbstschutz, um den emotionalen Angriffen anderer nicht schutzlos ausgeliefert zu sein. Die Dramen und Themen der anderen langweilen sie schon in der Grundschule – und aus dem Gefühl der Hilflosigkeit und des fehlenden Willens der anderen für eine Lösung, schotten sie sich irgendwann innerlich ab, „weil es ja eh keinen Zweck hat“.
High Performer sind also mitunter schwer zu erkennen, denn sie selbst haben teilweise bereits vergessen, dass sie dies in Wahrheit sind, weil sie sich mitunter zeitweise als so abgestumpft, unmotiviert, desinteressiert, unzuverlässig und unbelastbar erlebt haben und teilweise dieses Fremdurteil ertragen mussten oder befürchten, weil ihr Selbstanspruch so extrem hoch ist, dass ihr Selbstwert komplett in den Keller gerutscht ist.
Ihr stärkstes Merkmal ist Verantwortungsbewusstsein. Sie können benachteiligte Menschen nicht hängen lassen. Sie haben ein starkes Gerechtigkeitsempfinden und setzen sich schon als Kind für andere ein, wenn jemand benachteiligt oder ausgeschlossen wird.
Ihre Feinfühligkeit führt dazu, dass sie manchmal nicht mehr genau wissen, wer sie wirklich sind. Sie haben in einer stark wertenden Gesellschaft gelernt, sich wie ein Chamäleon an die Erwartungen ihres Gegenübers anzupassen und dessen Gedanken und Intentionen zu erspüren. Dadurch verlieren sie sich aber häufig selbst und drehen das Blatt dann mitunter radikal wütend ins Gegenteil, um wieder sich selbst zu finden.
In der Schule wählen sie zwei Wege: entweder sie passen sich radikal an alle Erwartungen an und glänzen durch Einserzeugnisse – oder sie machen das absolute Minimum, nehmen schlechte Noten in Kauf, haben dafür aber ein entspanntes Leben. So oder so: sie sind extrem ehrgeizig, aber nur in ihrer Lieblingsdisziplin und allem, was ihnen eh leicht von der Hand geht. Sie sehen absolut keinen Sinn darin, sich etwas anzueignen, das ihnen nicht liegt. Sie sind maximal faul und wählen daher immer den pragmatischsten Weg. Genau dadurch sind sie extrem kreativ und kreieren beiläufig Innovationen, weil sie aus sich selbst heraus fortlaufend alles optimieren oder komplett neu denken. Oft bauen sie im Vorbeigehen die genialste Lösung, einfach weil es ihnen so wehtut, dämliche Prozesse, Wege oder Konstrukte irgendwo sehen zu müssen.
Die meisten Führungskräfte halten sie für zu eigensinnig & teilweise sogar teamunfähig, weil sie „das Tor gerne selber schießen“. Großer Fehler. Deshalb werden 99% aller High Performer durch dämliche Regeln, Prozesse & Strukturen mundtot und handlungsunfähig gemacht. Endergebnis: 80% aller Angestellten in Deutschland machen nur noch Dienst nach Vorschrift. High Performer stellen in klassischen Unternehmen irgendwann auf Durchzug – oder gehen.
Sie lieben Menschen – und gleichzeitig hassen sie sie, weil es sie tierisch nervt, durch deren Dramen und Unverständlichkeiten runtergezogen und ausgebremst zu werden. Daher sind sie sich oft nicht sicher, ob sie wirklich Teamarbeit mögen. Aus Resignation tendieren sie dazu, gern allein zu arbeiten.
Du musst Folgendes über sie begreifen:
1. Es sind Menschen, die sehr feinfühlig sind und sich deshalb regelmäßig zurückziehen, um bei sich bleiben und frei denken zu können. Geht es ihnen emotional schlecht, neigen sie zu selbstdestruktivem Verhalten. Niemals würden sie andere verletzen oder anderen zur Last fallen wollen, sofern sie es irgendwie vermeiden können.
2. Die Phasen des Rückzugs musst du halten UND Raum dafür geben, auch wenn dann kurzzeitig ToDos liegen bleiben.
3. Wenn du ihnen zu stumpfe Aufgaben längerfristig aufhalst, drehen sie durch.
4. Wenn du sie mit Jammerern, Nörglern, Besserwissern oder Aggressoren zusammensteckst, bringst du sie mental um.
5. Wenn du sie nicht vor übergriffig wertenden Kommentaren schützt, brechen sie zusammen (siehe Vini Jr)
6. Wenn du sie in dämliche Strukturen quetschst oder mit Druck etwas erzwingen willst, blockieren sie.
7. Wenn du ihnen Vorschreibungen machst, wie sie etwas zu tun oder zu erreichen haben, stellen sie auf stur und machen entweder gar nichts mehr oder gehen ihren eigenen Weg noch rücksichtslos radikaler.
8. Du motivierst sie nur über Sinnhaftigkeit, persönlich interessante Herausforderung und Verantwortung.
9. Sie durchschauen sofort, wenn du kein wahrer Leader bist, der durch eigene Erfahrung gelernt und sich Respekt verdient hat – dann werden sie dich niemals ernst nehmen und deine Worte ignorieren.
10. Über sich selbst hinauszuwachsen und ihren Impact zu sehen, noch dazu etwas Unmögliches gemeinsam in einem Hand in Hand arbeitenden Team vollbracht zu haben, verleiht ihnen unermessliche Flügel.
Wir nennen sie High Performer, weil sie umsetzen und Lösungen kreieren, die andere in 100 Jahren nicht auf die Beine stellen. Weil sie aus sich selbst heraus angetrieben sind und keine Motivation von außen brauchen. Viel wichtiger ist, sie von äußeren Begrenzungen zu befreien. Und genau sie gilt es in unseren Teams so zu führen, dass sie dieses Potenzial mit Leichtigkeit entfalten können, denn sie sind die einzigen dieser Gesellschaft, die echten Wandel und revolutionär neue Wege in atemberaubend kurzer Zeit kreieren.
In Liebe, Leonie
PS: Und was wäre, wenn wir in Wahrheit alle diese High Performer sind, nur unterschiedliche Level des Überlebensmodus lernen mussten, um klarzukommen und daher diese Qualitäten in uns begruben…. „Alle Kinder werden als Genie geboren.“