Deine Vergangenheit verändern – wie?

Kann man die Vergangenheit verändern? Warum? Damit du ein Leben lang im Frieden bleibst – und immer konstruktive Entscheidungen treffen kannst. Ich erzähl dir, wie du deine Vergangenheit binnen Millisekunden wahrhaftig änderst.

Kennst du diese Momente, wenn dein Gehirn die Vergangenheit in Dauerschleife durchkaut und du nicht mehr rauskommst aus den Selbstvorwürfen oder der Wut oder Trauer?

Genau: du merkst, dieses Muster bringt dich um den Verstand. Es befördert dich in die Verzweiflung, denn du kannst nichts ändern, aber du kannst es auch nicht loslassen, weil es dir als das einzige Mittel erscheint, doch noch eine konstruktive Lösung zu finden.

Dieses Muster ist dein mentaler Tod.

Wenn du glaubst: „Ach, ist halt manchmal so.“ NEIN. Es werden in deinem Leben Momente auftreten, die dich mental komplett in die Knie zwingen, wenn das das Muster bleibt, mit dem du sie dann beantwortest. Und da du ja nicht mal bei weniger dramatischen Momenten einen sinnvollen Umgang hast, wirst du diese Momente so nicht meistern können. Deshalb lernen wir jetzt einen neuen Umgang damit.

Lass uns zuerst einmal festhalten:

Stoppe Kreislaufgedanken über die Vergangenheit! Sie helfen dir nicht. Stoppe sie. Wie? Indem du eine Meditation deiner Präferenz wählst, die du in diesen Momenten solange mit Kopfhörern hörst, bis die Gedanken aufgehört haben. 

Erstmal ist wichtig, dass du wirklich kapierst, dass sie zu keinem sinnvollen Ergebnis führen und dass du aber der Gestalter deiner Gedanken bist und einfach entscheiden kannst, dass du sie jetzt beendest, indem du einen bewusst gewählten Gegengedanken denkst, ok? Gut.

Mach dir als zweites bewusst: 

In jedem Moment existieren unendlich viele Realitäten. Dein Verstand wählt aber immer nur eine einzige. Nämlich die Variante, die du als Kind als wahrscheinlichste gelernt hast. Sie entstand durch die Kommentare deiner Familie und Umgebung, aber auch aus gesellschaftlichen Prägungen. Wenn diese Realität in deinem Kopf zur Drama-Dauerschleife führt, dann können wir davon ausgehen, dass es eine beschissene Wahl ist, die wir ab heute ändern sollten.

Können wir die Vergangenheit verändern? Ja. 

Stell dir vor, du erlebst eine Situation, in der du etwas getan hast und daraufhin von deinem Gegenüber angeschrien wurdest. Du warst also (vielleicht durch ein Fehlverhalten) Auslöser einer verletzenden Reaktion. Das ist eine Perspektive der Realität. Sie führt nun dazu, dass du in Schuldzuweisungen und Reue gehst, um damit zurechtzukommen. Beides dient dir nicht. Was tun wir stattdessen? Wir verändern die Realität, indem wir neue Zusammenhänge erkennen und uns manchmal einfach etwas ausdenken. Darf man sich was ausdenken? Ist das nicht Verzerrung? Ja, das darfst du, denn fast alles, was du über eine Situation denkst, ist ausgedacht. Du machst Millionen kleine Schlussfolgerungen und Interpretationen, von denen fast alle falsch sind, du findest es nur nie heraus, weil du nicht nachfragst. Im Prinzip erzählen wir uns permanent Märchen über unsere Vergangenheit, aber keiner weiß es oder die anderen haben eine ähnliche Perspektive wie du, dadurch fällt es nicht auf.

Wie verändern wir die Vergangenheit:

1. Anerkenne, was ist – für alles im Leben gibt es exakt zwei Wege als konstruktiven Umgang: ändere, was dich stört – und anerkenne voller Dankbarkeit, was du nicht ändern kannst. Es bringt nichts, in Geschichten und Gefühlen hängen zu bleiben, die du nicht ändern kannst. Sie waren. Und heute ist heute. Du kannst in jedem Moment neu entscheiden, wer du zukünftig sein möchtest und was du zukünftig glauben und leben möchtest. Niemand zwingt dich, aus vergangenen Erlebnissen deine Zukunft abzuleiten. Sie sind kein Naturgesetz. Sie waren Spiegel deines damaligen Bewusstseins und damaliger Dynamiken, die du heute neu gestalten und somit auch eine neue Realität erschaffen kannst. Es gibt kein Naturgesetz, das besagt, du seist unfähig in xyz oder das Leben sei halt auf eine bestimmte Art und Weise. Du bestimmst, ob du aus der Vergangenheit glückliche oder destruktive Schlussfolgerungen ziehen möchtest, die als Basis deine Zukunft gestalten werden. Ob nun wahr oder falsch: entscheidend ist, dass deine Gegenwart und Zukunft glücklich sind, daher ist es ganz simpel aus purer Selbstliebe sinnvoll, die Variante zu wählen, die dich heute friedvoll einschlafen und morgen fröhlich aufwachen lässt.

2. Wir gehen in eine höhere Ebene – Wenn du behauptest: „Ich habe x gemacht und deshalb hat er dann y getan.“, ist das eine Lüge. Die Wahrheit ist immer: es sind Dinge lange vor deiner Handlung geschehen, die dann zur Reaktion und zum Ausmaß der Reaktion führten. Das könnten Dinge Sekunden, Minuten oder Stunden vorher gewesen sein, aber auch Erlebnisse Jahre oder sogar Jahrzehnte zuvor, die nun durch deine Handlung wieder in Erinnerung kommen und die Reaktion auslösen. Manchmal weiß die Person das sogar bewusst, dass es gar nichts mit dir zu tun hatte. Warum also solltest du denken, dass du der Auslöser warst? Dieser Moment wäre die größte Heilung für dein Gegenüber, wenn sie nun die Verknüpfung mit der alten Erinnerung oder der Verkettung der Ereignisse als wahrer Ursache der Reaktion erkennt und sich entspannt, statt es an dir auszulassen. Beende ab heute die Vorstellung, du seist der Nabel der Welt und daher auch immer an allen Reaktionen schuld. Wie? Ab heute wiederholst du den Satz in dir: „Das Leben wirkt liebevoll durch mich. Ich bin in jedem Moment ein Geschenk für die Welt und bringe Menschen Freude.“ Du durchbrichst den Kreislauf der Schuld nur, indem du neu definierst, dass du keine Zumutung, sondern stets ein Grund der Begeisterung und Entspannung für andere Menschen bist. Ja, das ist deine Entscheidung! Und jetzt schenkst du deinem Unterbewusstsein etwas Zeit, damit sich dieser neue Glaubenssatz in dir verinnerlichen und zu einer neuen Realität führen kann. Denke den Satz ganz bewusst, insbesondere in den Momenten, wenn du bislang das Gefühl hattest, jemandem zu viel oder falsch zu sein. Beobachte, wie allein dieser Gedankenshift zu einem neuen Erleben führt, weil du neu auf Menschen zugehst. Diese Erkenntnis hat mich übrigens 20 Jahre Ausbildung gekostet. Missgeschicke geschehen immer aus Unsicherheit durch deine eigenen Gedanken. Wenn du diese nun in Selbstsicherheit wandelst, wirst du automatisch neu handeln und etwas anderes ausstrahlen. Dadurch geschieht noch etwas: Menschen reagieren nicht auf das Ereignis, sie reagieren auf deine Ausstrahlung. Wenn du Schuld ausstrahlst, werden sie dich zum Schuldigen für etwas machen. Wenn du aber Freude und Gelassenheit ausstrahlst, werden sie auch lachen oder, falls das Schuldsuchemuster sehr stark in ihnen ist, einen anderen Schuldigen suchen. Du veränderst alles, indem du einfach nur deine Gedanken änderst. Probier es aus. Spiele damit, in jedem Moment bewusst voller Freude auf Menschen zuzugehen, insbesondere dann, wenn dein Verstand dich zum Gegenteil zwingen will. „Ich bin ein Geschenk für jeden Menschen.“ – das und nur das ist die wahre Realität! Alles andere ist deine alte, destruktive Prägung. Und auch alle daraus folgenden Handlungen sind deine alte, destruktive Prägung. Beende den Quatsch heute. Ab jetzt bist du in jedem Moment ein Geschenk und handelst aus diesem Gefühl der Freude. Du fragst NICHT: „Warum bin ich schon wieder schuld?“, du fragst dich: „Wie können wir jetzt sofort eine wundervolle Zeit haben und wie kann ich den anderen zu seiner Freude unterstützen?“. Übe diesen Gedankenshift!

3. Wir schauen auf die Beziehungsdynamiken – Es kommt regelmäßig vor, dass Dinge parallel zu deiner Handlung ablaufen, die du nicht sehen kannst, weil die Protagonisten gar nicht anwesend sind. Stell dir vor, du hast Milch aus dem Kühlschrank geholt, versehentlich fallen gelassen und über dem ganzen Boden verteilt. Jetzt schreit dich dein Gegenüber an. Die Wahrheit ist aber, dass sie gar nicht deinetwegen schreit. Ja, es ist nervig, dass jetzt der Boden gewischt werden muss. Aber der wahre Grund für die Wut ist, dass gleich die Mutter kommt und mit Argusaugen auf jede Unordnung und Unsauberkeit achtet und schwere Beschimpfungen loslässt, wenn sie etwas findet – und deshalb die Reaktion so übertrieben ausfällt. Und sehr oft besteht genau dieser Zusammenhang, aber die besagte Mutter ist schon lange tot oder kommt gar nicht heute und dennoch spult der Mensch die Reaktion aus gewohntem Gehorsam ab. Deine Handlung hat somit das Peoplepleasing-Muster deines Gegenübers zum Vorschein gebracht und es wäre die größte Heilung, diesen Moment zu nutzen, um endlich darüber hinauszuwachsen und zu entspannen, völlig egal, wie die Mutter reagiert. 

4. Wir lassen das Urteil los und verbinden uns mit dem Vertrauen – Allzu gern enden wir bei dem Urteil: „Ich hab was falsch gemacht. Wieso war ich so dumm?“ Warum? Du hast nun die Milch verschüttet (oder den Auftrag verloren oder Geld in den Sand gesetzt oder einen Freund enttäuscht oder dein Kind verletzt oder deinen Partner hintergangen oder einen Patienten sterben lassen oder einen Unfall mit Verletzten verursacht), ok. War das falsch? Warum? Weil ein zurechnungsfähiger Mensch das nicht tut? Wie kommst du darauf? Das kann jedem passieren. Aber dir hätte das nicht passieren dürfen? Ok. Weil für dich höhere Maßstäbe gelten, richtig? Auf jeden Fall in dieser einen Situation, richtig? Ok. Ich möchte, dass du dir bewusst machst, dass du immer Teil eines größeren Zusammenspiels bist. So, wie wir so schön sagen: „Der Flügelschlag eines Schmetterlings…“, der den sogenannten Schmetterlingseffekt aus der Chaostheorie bezeichnet, demzufolge ein winziger Einflussfaktor das ganze System verändert. Wieso glaubst du, dass Dinge aus Dummheit oder Versehen geschehen? Was wäre, wenn du ab heute davon ausgehst, dass immer alles exakt so geschehen sollte, weil es einem größeren Nutzen dient? Wir wissen z.B. aus der systemischen Arbeit, dass es Themen in Familien und Beziehungen gibt, die seelisch gelöst werden wollen. Und der Mensch kreiert unbewusst Situationen, die genau dazu führen, dass dieses Thema in den Blick kommt und endlich aufgelöst wird. Ich hatte einen Fall, da wurde ein Kind schwer depressiv und verweigerte ein Jahr lang die Schule – und dann fanden sie endlich die richtige Psychologin, es war die Schwester des Vaters, die er seit Jahrzehnten verachtet und ausgeschlossen hatte. Durch die Erkrankung des Sohnes entstand wieder eine liebevolle Beziehung. Schwups, war der Sohn gesund. War die Erkrankung nun falsch? Sie war der einzige Weg, wie die Tante wieder in die Familie integriert wurde (ansonsten hätte der Vater es verweigert), und die Seele hat diesen tiefen Drang, jeden in Liebe in den Blick zu holen. Ausgeschlossene Familienmitglieder (= unterbrochene Beziehungen), der Ausgleich einer tieferen Schuld, die Wiederherstellung einer Rangordnung – das sind die drei wichtigsten seelischen Themen, die immer nach Lösung suchen, teilweise über Generationen hinweg, für die wir dann unbewusst Situationen zur Auflösung kreieren. Ich hatte einen anderen Fall, da ging ein einst erfolgreicher Unternehmen plötzlich in die Insolvenz, er hatte das Unternehmen seines Vaters übernommen und nun war er am Boden zerstört, weil er versagt hatte – doch dann begegnete er durch die Situation früheren Mitarbeitern, die damals schwer ausgebeutet wurden und auf deren Schultern das Unternehmen überhaupt erst erfolgreich wurde. Sein Vater hatte immer voller Verachtung über sie gesprochen. Nun ging der Sohn demütig zu ihnen und bedankte sich für ihre damalige Leistung. Sie waren zu Tränen gerührt und versprachen, ihm beim Wiederaufbau zu helfen. 6 Monate später feierten sie den größten Erfolg der Unternehmensgeschichte. War die Insolvenz falsch? Ein Mann lebte sein ganzes Leben lang als Vater und Ehemann ein sehr freies Leben, nie fühlte er sich wirklich verantwortlich, seine Frau arbeitete, versorgte die Kinder und sah sogar bei all seinen Affairen weg. Er gondelte in der Weltgeschichte umher, lief aber stets vor seiner Bindungsangst davon. Doch dann wurde seine Frau dement und verweigerte jegliches Essen. So musste er sie 2 Jahre komplett allein zu Hause jeden Tag pflegen und wurde plötzlich der fürsorglichste Mensch, der bei ihrem Tod weinend seine Dankbarkeit für diese wundervolle Zeit zum Ausdruck brachte. War die Demenz eine Strafe oder viel mehr die größte Freude? Ein viertes Thema begegnet mir immer wieder: schwere, pauschalisierte Ablehnung. Eine Frau hatte einen unfassbaren Hass auf Frauen und unterstellte ihnen stets Manipulation, Heuchelei und Ausnutzung. Ihr einziger Sohn heiratete und wann immer ihre Panik hochkam, ließ sie all ihre Wut und Vorurteile an der Schwiegertochter aus. Dann trennten sich ihr Sohn und seine Frau, doch wider Erwarten verhielt sie sich gar nicht ausnutzend, wie es die Mutter erwartet hatte. Plötzlich konnte sie sich eingestehen, dass die Schwiegertochter stets in Liebe gehandelt hatte, sogar in der Trennung. So half der Sohn durch sein Schicksal, dieses tiefste Trauma seiner Mutter endlich zu heilen. Was wir im Leben erleben, geschieht in einem viel größeren Kontext, den wir niemals überblicken und den wir auch niemals steuern können. Wir können Geschehnisse auch nicht verhindern, wenn sie geschehen sollen, um ein kollektives oder familiäres Thema zu lösen. Irgendwann kommen wir im Leben an den Punkt, dass wir begreifen, dass wir nicht alles mit unserem Willen (oder diagnostischen Mitteln und Zukunftsprognosen) beeinflussen und dass wir manches nicht mal in Worte fassen können, obwohl wir es ganz klar fühlen. Uns fehlen die Worte, um es zu erklären, es ist einfach als Empfinden plötzlich da. Das Entscheidende ist, dass alles im Leben einfach ist. Es ist. Du hast Dinge getan und wurdest geführt. Oder Dinge geschahen mit dir, weil andere Entscheidungen trafen, die dich stark beeinflussten. Aber es gab nie einen Fehler. Es geschah für einen größeren Nutzen und irgendwann wirst du ihn erkennen. Und jetzt ist der beste Weg, voll und ganz anzunehmen, dass alles genau perfekt geschah und sich auf diese Weise alles erfüllt, was du dir wirklich wünschst. Du gehst einfach mit dem Leben… mit dem, was jetzt da ist.. bist dankbar dafür und in Demut für die Größe des Lebens und freust dich über dieses Geschenk, was immer sich daraus kreieren mag.

5. Wir wählen eine neue Überschrift – Kennst du die Menschen, die alles Vergangene unter die Überschrift packen: „Mein schrecklicher Vater“? Und dann findet das Gehirn all die Erlebnisse, die beweisen, wie schrecklich er war. Ich möchte, dass du ab heute bewusst die Überschriften wählst, die dir zeigen, wie wundervoll jeder Moment deiner Vergangenheit war. Du wandelst sie also in „Meine wundervollen Eltern“, „Meine geniale Kindheit“, „Meine lehrreiche Schulzeit“, „Meine spannenden Beziehungen“, „Mein gesunder Körper“, „Meine schlaue Freundin“…. Das reicht schon. Mehr ist nicht zu tun. Tu das für weit Zurückliegendes oder ganze Epochen und tu es für Vergangenes aus näherer Zeit und deine Gegenwart. Du wirst sehen, dein Gehirn fängt sofort an, dir neue Details und Perspektiven über den Hergang oder Situationen zu zeigen, die du längst vergessen oder noch nie so betrachtet hast. Dein Gehirn liefert dir Beweise für deine Vorannahmen – diesen Mechanismus nutzen wir ab heute so, dass er uns dient und in jedem Moment glücklich macht, weil es keinen Sinn hat, mit Vergangenem zu hadern, es eine Selbstlüge ist und diese aber deine gesamte Zukunft und wichtige Entscheidungen belasten kann, wenn du dieses Gefühl und den meist daraus entstehenden abwertenden Glaubenssatz nicht auflöst. 

6. No Drama-Lama – Es gibt die seltsame Verwirrung im Menschen, Mitleid mit Liebe zu verwechseln. Sie kreieren dann ständig Drama-Situationen, um bei anderen Menschen Mitleid auszulösen und sie dadurch dazu zu zwingen, sich aus Sorge in besonderem Maße um ihn zu kümmern. Es ist existenziell bedeutsam für dein ganzes Leben, dass du niemals in diesen Kreislauf einsteigst. Weder als Bedürftiger noch als Mitleid-Gebender. NIEMALS! Mitleid ist keine Liebe, es zerstört jede Beziehung, weil es keine Augenhöhe ist und immer einen Menschen zum Opfer macht, der sich dann nämlich ständig ins Drama und in die Bedürftigkeit manövrieren muss, um den anderen weiter an sich zu binden. Wir schenken einander Lieber einfach so aus der Freude heraus. Eine Beziehung, die sich auflöst und umgekehrt zum Drama führt, wenn es keinen Grund für Mitleid und Sorge gibt, ist keine erstrebenswerte Beziehung. Insbesondere zwischen Eltern und Kind herrscht diese Form oft: renn weg vor dieser Dynamik. Mit diesem Bewusstsein kannst du deine Vergangenheit anschauen und dir bewusst machen, dass manches einfach nur geschah, um ein Drama zu haben, das dir Sicherheit gab, damit ein bestimmter Mensch dich nicht verlässt oder du dich vor einer weitaus bedeutsameren Entscheidung drücken konntest. Drama ist nämlich auch ein wundervolles Ablenkungsmanöver. „Ich wähle Liebe aus Freude.“ – nur das ist gesund. Konkret heißt das: wenn du etwas erlebst, das Mitleid bei anderen auslöst, kümmere dich ausschließlich um die Lösung und nimm keine Bemitleidungen an. Du darfst deinen Körper nicht hormonell auf „Aufmerksamkeit/Liebe durch Mitleid“ trainieren, denn das ist ein süchtig machender Hormoncocktail, der dazu führt, dass dein Unterbewusstsein mehr davon will und dazu deine Zukunft in die Bedürftigkeit führt. Sprich nur mit Menschen, die dir helfen, eine Lösung zu erarbeiten und/oder dich zum Lachen und auf ganz andere Themen bringen, von allen anderen hältst du dich in dieser Phase fern. Du verschickst auch bitte keine Hilfeschrei-Nachrichten, die jeden bloß in Aufruhr versetzen. Bitte gezielt ganz konkret um Unterstützung und kümmere dich parallel eigenständig darum, dein Nervensystem zu beruhigen (am besten auf eine konstruktive Weise und nicht durch Drogen). Bist du umgekehrt in der Rolle, wo jemand indirekt Mitleid fordert – halte den Fokus auf die Lösung und Selbstermächtigung. Kein Mitleid, keine Sorge, kein Trösten! Denn das schwächt den anderen. Mach dir das klar: Mitleid, Sorge, Trost SCHWÄCHT einen Menschen. Empowerment, feste, liebevolle Umarmung, echter emotionaler Halt und lösungsorientierte Unterstützung sind der einzig gesunde Weg, weil sie in die Selbstermächtigung führen und den Menschen dadurch nachhaltig stärken.

7. Was willst du sehen? Ich sagte bereits, dass wir uns Dinge ausdenken dürfen. Das Lustige an unserem Gehirn ist, dass es so viel ausblendet und wir diese Dinge aber ganz simpel ein- und ausschalten können, indem wir ihm sagen, wie es den Filteralgorithmus verändern bzw. was es wahrnehmen soll. In jedem Moment kannst du Armut sehen, wo immer du hinschaust. Es existiert aber zur gleichen Zeit am exakt gleichen Ort auch wunderschöner Reichtum. Du wählst, was du sehen willst. Wenn dein Verstand nur auf das Bemitleidens- oder Verurteilenswerte ausgerichtet ist, erinnere dich daran, dass du entscheiden darfst, was du sehen willst. Und wenn es dir nicht dient, was du gerade siehst, weil es dich so sehr emotional runterzieht oder sogar komplett lahmlegt, weil du in einer inneren Vorwurfsschleife stecken bleibst, dann dreh die innere Frage um und überlege, worin du genau hier in diesem Moment an diesem Ort das Gegenteil deiner Annahme und das Inspirierende und Wunderschöne des Lebens erkennst. Warum ist das so unfassbar wichtig? Das Prinzip lautet: „Energy flows where attention goes“ – du verstärkst, worauf du deine Energie/deinen inneren Fokus richtest. Wenn du also etwas nachhaltig in deinem Leben für die Zukunft verändern und ganz bewusst das Wundervolle ab jetzt stärken willst, dann verändere, worauf du deine Energie richtest, und das beginnt bei der Betrachtung deiner Vergangenheit und exakt dem jetzigen Moment.

8. Wir sehen die Liebe – Fast jeder Mensch hat einen Bereich des Misstrauens oder der Verachtung im Leben. Manchmal ist es eine bestimmte Person, manchmal eine Personengruppe, manchmal bestimmte Konstellationen oder Situationen, die dieses Urteil hervorrufen. Ich möchte, dass du dich immer fragst: „Wo sehe ich die Liebe?“. Aus der systemischen Arbeit wissen wir, dass jeder Mensch immer aus Liebe handelt. Nur führen Verlustangst und ein verwirrtes Bild von Liebe leider dazu, dass wir mitunter Menschen verletzen, um einen anderen zu schützen oder von einer Trennung abzuhalten. Ein Mann ist verheiratet, aber verliebt sich in eine andere Frau. Nun würde es der Anstand und dieses Gefühl verlangen, dass er sich von seiner Ehefrau trennt. Doch er befürchtet, dass sie in eine schwere Depression fällt, wenn er das tun würde, also trennt er sich nicht und führt jahrelang eine Geliebtenbeziehung. Dadurch verletzt er zutiefst die zweite Frau und schlussendlich auch seine Ehefrau. Aus Liebe. Die Absicht war stets eine gute. Nur der Weg war leider nicht zielführend. Verurteilen wir ihn nun deshalb? Werfen wir ihm sein verletzendes Verhalten und seine menschliche Unfähigkeit vor? Finde die Liebe. Stoppe deinen Verstand, der so gern Verletzung und Fehlverhalten sucht und sofort in die Abwertung und Verurteilung geht. Suche aktiv nach den Wegen der Liebe, statt auf das oberflächliche Nonsens-Gerede der Menschen zu hören. Denn tatsächlich sind dies Zusammenhänge, derer sich die meisten Menschen entweder in keiner Weise bewusst sind oooooooder aber die sie tatsächlich sogar wissentlich verheimlichen, weil es ihnen unangenehm ist, z.B. wenn es um die Liebe zum Vater geht, der aber von der Mutter gehasst und ausgeschlossen wird. Sie werden es dir also nur ganz, ganz selten von sich aus erzählen. Finde die Wege der Liebe in anderen Menschen, um zu verstehen, warum sie auf eine bestimmte Weise handeln. Und finde sie in dir, um zu verstehen, warum du auf eine bestimmte Weise handelst. Nun begreifst du größere Zusammenhänge und kannst mit neuer Milde sowohl auf dich selbst als auch andere schauen – und dadurch gelangst du in den Frieden mit dem Leben, der Vergangenheit, Gegenwart und potenziellen Zukunft. Und aus dieser Haltung kannst du wieder konstruktive Entscheidungen treffen und neue Lösungen finden, weil du nun verstehst, worum es wirklich geht. Und wenn du diesen Kern gefunden hast, hören die Beteiligten plötzlich auf, zu blockieren, und ihr arbeitet konstruktiv zusammen, weil ihr tiefster Wunsch der Liebe berücksichtigt wird.

9. Sprich glücklich und dankbar – Sprich ab jetzt nur noch in dieser Haltung der Dankbarkeit und größeren Zusammenhänge über deine Vergangenheit. Wühlst du erneut die alte, kurzsichtige Beschreibung hervor, versetzt du dich wieder exakt in die alten Gefühle und verstärkst wieder den alten, ausweglosen Zustand und somit die Programmierung für die Zukunft. Bleib konsequent darin, deine vertiefte innere Haltung anhand dieses Erlebnisses zum Ausdruck zu bringen und so deine wundervollste Zukunft zu kreieren, weil du ab jetzt deine Energie darauf richtest, was du wirklich willst: eine wundervolle Zeit der Freude und gegenseitigen Unterstützung.

In Liebe, Leonie

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