Der Weg zum Meister und Visionär

Wir bilden den Menschen bis zum Experten aus – aber die 6. Stufe ist der Meister und Visionär und erst dort entsteht weltverändernde Innovation. Was braucht es dazu?

In Anbetracht des heutigen Fachkräftemangels halte ich es für dumm, Potenzial zu vergeuden. Aus meiner Sicht können wir uns die Arroganz nicht erlauben, auf irgendeine Form von perfekten Teammitgliedern zu warten – heute ist die wundervolle Zeit, dass wir gezwungen sind, jeden loyalen, engagierten Motivierten im Team weiterzuentwickeln, um ans Ziel zu kommen und Innovation zu erschaffen. Wir müssen also: 1. erfahrene Menschen an Bord holen, 2. unerfahrene Menschen weiterentwickeln und 3. ein interdisziplinäres Team zusammenstellen, beide voneinander lernen und einander inspirieren lassen, denn gerade der unerfahrene Blick hat die besten Ideen – und auch die Experten im Team geistig herausfordern und über sich hinauswachsen lassen.

Daher widmen wir uns der großen Frage, wie wir Menschen weiterentwickeln – und dazu schauen wir uns an, wie der Mensch lernt.

Die Wissenschaftler und Brüder Stuart und Hubert Dreyfus veröffentlichten im Jahr 1980 eine Arbeit mit dem Titel „A Five-Stage Model of the Mental Activities Involved in Directed Skill Acquisition“ = „Ein Fünf-Stufen-Modell der mentalen Aktivitäten beim gezielten Erwerb von Fertigkeiten“ und es wurde bekannt als das Dreyfus-Modell des Kompetenzerwerbs. Sie gehörten zu den einflussreichen Denkern des 20. Jahrhunderts an der Schnittstelle von Technik, Kognition und Philosophie. Ihre Zusammenarbeit ist besonders bemerkenswert, weil sie zwei sehr unterschiedliche wissenschaftliche Perspektiven vereinte. Hubert Dreyfus war Professor für Philosophie an der University of California, Berkeley. Er wurde international bekannt als scharfer Kritiker der frühen Künstlichen Intelligenz. In Werken wie What Computers Can’t Do argumentierte er, dass menschliche Intelligenz nicht allein aus formalen Regeln bestehe, sondern stark auf Erfahrung, Intuition und verkörpertem Wissen beruhe. Damit stellte er sich gegen den damals dominierenden Optimismus der symbolischen KI-Forschung. Stuart Dreyfus hingegen war Mathematiker und Ingenieurwissenschaftler. Er arbeitete unter anderem an Optimierungstheorie, Operations Research und Entscheidungsmodellen und hatte enge Verbindungen zur angewandten Forschung, auch im militärischen und industriellen Kontext. Sein Denken war stark von formalen Modellen, Systemtheorie und praktischer Anwendbarkeit geprägt.

Ursprünglich wurde das Modell für militärische Ausbildungsprogramme entwickelt, fand aber schnell Anwendung in vielen anderen Bereichen – etwa in der Medizin, Pflege, Pädagogik, Psychologie, Organisationsentwicklung und später auch im Software-Engineering und UX-Design.

Historisch gesehen stehen die Brüder Dreyfus damit für einen wichtigen Gegenpol zur rein technokratischen Sicht auf Lernen und Intelligenz. Ihr gemeinsames Werk trug maßgeblich dazu bei, dass menschliche Erfahrung, Intuition und Kontext wieder stärker in wissenschaftliche und technologische Diskurse eingebunden wurden.

Was genau sagen sie über den Kompetenzerwerb des Menschen? Sie unterteilen ihn in 5 Stadien mit der Erweiterung einer sechsten optionalen Stufe (für die ich mich besonders interessiere):

1. Anfänger – streng regelbasiert und kontextfrei.

Der Lernprozess setzt damit ein, dass das Lernumfeld in einfache, vom Kontext unabhängige Merkmale zerlegt wird. Diese sogenannten nichtsituationsgebundenen Merkmale können vom Anfänger erkannt werden, ohne dass bereits Erfahrung im jeweiligen Umfeld vorhanden sein muss. Auf dieser Grundlage erhält der Lernende feste Regeln, mit deren Hilfe er aus den erkannten Merkmalen konkrete Handlungen ableiten kann. Eine Verbesserung erfolgt durch die Beobachtung dieser Handlungen, entweder durch Selbstkontrolle oder durch korrigierendes Feedback von außen. Mit der Zeit wird das Verhalten zunehmend regelkonform. Ein Sprachlernender befindet sich auf dieser Stufe, wenn er beispielsweise phonetische Regeln kennt, um Laute korrekt zu erzeugen. Auch wenn diese Laute für ihn zunächst bedeutungslos erscheinen, führen sie in passenden Situationen dennoch zu sinnvollen Ergebnissen.

2. Fortgeschrittener Anfänger – erste situationsbezogene Merkmale erkennen, geringe Intuition.

Der fortgeschrittene Anfänger verfügt bereits über erste praktische Erfahrungen und erfüllt insgesamt die grundlegenden Anforderungen der Tätigkeit. Er orientiert sich bei der Aufgabenbearbeitung an einzelnen sinnvollen Leitlinien, ist jedoch noch nicht in der Lage, diese sicher und flexibel anzuwenden. Sein Vorgehen ist häufig von kurzfristigem und vergleichsweise starrem Reagieren auf einzelne Teilaufgaben geprägt, insbesondere dann, wenn mehrere Anforderungen gleichzeitig auftreten. In solchen Situationen kann es zu Überforderung kommen. Gleichzeitig nimmt der fortgeschrittene Anfänger bereits eine Vielzahl von Einzelheiten wahr und beginnt, wiederkehrende Elemente typischer Situationen zu erkennen und einzuordnen. Diese Muster werden jedoch noch nicht zuverlässig zu einem ganzheitlichen Situationsverständnis zusammengeführt.

⁠3. Kompetent – überlegte Planung, Priorisierung, zielorientiertes Handeln und bewusstes Abwägen.

Kompetenz entsteht erst, wenn der Lernende bereits mehrere reale Situationen erfolgreich bewältigt hat und dabei wiederkehrende, bedeutungsvolle Muster erkennt. Diese situationsgebundenen Muster unterscheiden sich grundlegend von den kontextfreien Merkmalen der Anfängerphase. Sie ermöglichen es, Handlungen im Voraus zu planen und Routinen zu entwickeln.
Mit wachsender Erfahrung wird der Lernende zunehmend flexibler im Umgang mit Aufgaben. Im Sprachbeispiel zeigt sich Kompetenz darin, dass der Lernende nicht mehr isolierte Laute wahrnimmt oder produziert, sondern kurze, sinntragende Sätze versteht und verwendet, die in passenden Situationen eine konkrete Wirkung entfalten.

4. Erfahren / Profi – ganzheitliche Wahrnehmung (holistisch). Die Intuition beginnt zu dominieren.

Ein Profi ist in der Lage, Situationen realistisch einzuschätzen und innerhalb seiner Handlungsschritte klare Prioritäten zu setzen. Er greift auf allgemeine Leitlinien zurück, passt diese jedoch gezielt an die jeweilige Aufgabe an. Zudem erkennt er Abweichungen vom üblichen Situationsmuster und kann solche Abweichungen bewusst herbeiführen, wenn er sie für sinnvoll hält.
Diese Bereitschaft, Risiken einzugehen und aus Abweichungen zu lernen, unterscheidet den Profi vom bloß Kompetenten. Der Sprachlernende kann auf dieser Stufe komplexe und verschachtelte Sätze bilden, mit denen er vollständige Sachverhalte beschreibt und Sprache gezielt für Bitten, Fragen, Aufforderungen oder Erklärungen einsetzt.

5. Experte – intuitives Handeln, „Einssein“ mit der Aufgabe. 

Der Experte nutzt eine tiefe, non-analytische Intuition, die auf unzähligen Erfahrungen basiert. Er „sieht“ die Lösung, ohne explizit nachdenken zu müssen. Bei Routineaufgaben handelt er automatisch und präzise. Er verfügt über ein tiefgehendes Situationsverständnis und einen umfangreichen Erfahrungsschatz. Er ist nicht mehr auf explizite Regeln oder Leitbilder angewiesen, sondern findet meist intuitiv die passende Handlung. Dies ist möglich, weil sein Erfahrungsspektrum so breit ist, dass neue Situationen unbewusst mit bekannten Handlungsmustern verknüpft werden. Auch ungewöhnliche oder seltene Situationen kann der Experte schnell erfassen und bewältigen. Trifft er auf ein völlig neues Problem, greift er bewusst auf analytische Strategien zurück. Ein fortgeschrittener Sprachlernender reagiert nach längerer Alltagsnutzung der Sprache intuitiv angemessen, ohne dabei bewusst Regeln oder Strukturen abzurufen.

6. Meister – Intuition auf höchstem Niveau, schöpferisch.

Der Meister beherrscht nicht nur das Fachgebiet, sondern kann die Regeln brechen und neue schaffen. Er wird durch eine tiefgreifende Verschiebung der mentalen Energie und die Bereitschaft zur Innovation erreicht. Während Experten bereits intuitiv handeln, zeichnet sich der Weg zum Meister durch folgende Faktoren aus: 

  • Vollständige Absorption (Flow): Der Meister ist so stark in seine Tätigkeit vertieft, dass die bewusste Überwachung der eigenen Leistung („Monitoring“) wegfällt. Diese freiwerdende Energie wird direkt in die Optimierung des Handelns investiert, was zu Leistungen führt, die über die normale Expertise hinausgehen.
  • Transformation des Fachbereichs: Meister begnügen sich nicht mit konventioneller Expertise. Sie erweitern den Umfang ihrer Intuition und führen oft völlig neue Wege oder Stile in ihrem Gebiet ein, die bestehende Grenzen verschieben.
  • Intensive Motivation und Reflexion: Das Stadium ist hochmotivierten Personen vorbehalten, die über Jahre hinweg Erfahrungen in unterschiedlichsten, komplexen Situationen gesammelt haben. Sie nutzen „reflexive Reorientierung“, um blitzschnell auf unerwartete Veränderungen zu reagieren.
  • Lehren als Vertiefung: In einigen Interpretationen wird das Lehren als ein Weg gesehen, Stadium 6 zu erreichen oder zu festigen, da es den Meister zwingt, sein implizites (intuitives) Wissen wieder explizit zu machen und eigene Annahmen kritisch zu hinterfragen. 

Man erreicht die Meisterschaft nicht allein durch mehr Übung – die letzte Stufe wird nur durch das völlige Aufgehen in der Aufgabe und den Mut, durch Innovation über das bestehende Fachwissen hinauszuwachsen, erreicht.

Der Meister, den man heutzutage auch Visionär nennen würde, ist eine Persönlichkeit, die nicht nur einfach einen Lernprozess durchlebt – sie durchlebt einen bestimmten Lebensprozess, weil wir für sehr viele Menschen durch diesen Weg unverständlich werden und um diesem inneren Bestreben treu zu bleiben, müssen wir den Muskel des Loslassens maximal trainieren, ansonsten hält uns die Stimme der Erwartungserfüllung für andere Menschen immer zurück – wenn sie dir wieder aus Sorge um dich oder Angst um sich selbst sagen, du solltest lieber einen normalen Job wählen, der sicherer und entspannter sei. Oder endlich zur Vernunft kommen, weil es ausweglos sei, wovon du träumst. Das Problem am Weg des Visionärs ist: du musst furchtlos und bedingungslos werden – und das sprengt jede klassische Beziehung & Vorstellungskraft. Manchmal hast du das Gefühl, du solltest am besten allen gegenüber total scheiße sein, weil Menschen die Eigenheit haben, so unfassbar schrecklich viele Erwartungen und Ängste auf dich zu projizieren, und du hoffst, das Drama zu umgehen, wenn sie dich sowieso schon für einen Arsch halten. Aber das schlimmste Stigma, mit dem du klarkommen musst, ist, verrückt zu sein. Und damit geht einher, dass du dich nirgendwo richtig zugehörig fühlst. Überall sprengst du den Rahmen – erst halten sie dich für naiv, weil du so rudimentäre Fragen stellst, und dann machst du ihnen Angst, weil du so global, grenzüberschreitend groß denkst, Entscheidungen triffst und wie ein Wasserfall Monologe hältst. Dieser Weg ist nur geeignet für Menschen, die bereit sind, alles loszulassen.

Justine Musk ist eine kanadische Autorin und Elon Musks erste Ehefrau sowie Mutter von sechs seiner Kinder. Geboren 1972, lernte sie Musk an der Queen’s University kennen und heiratete ihn im Jahr 2000. In ihrem TED-Talk „Visionäre sind Menschen, die im Dunkeln sehen können“ erläuterte sie, was es wirklich bedeutet, ein Visionär zu sein. Dabei schöpfte sie teils aus ihren Erfahrungen mit Elon Musk, verallgemeinerte aber auch zu einem umfassenderen Verständnis dessen, was visionäre Führung erfordert. Sie zitiert ihn mit dem Satz: „Ich bin bereit, alles zu opfern, mein gesamtes Vermögen, um eine Rakete in die Umlaufbahn zu bringen. Mir ist es egal, ob Justine, die Kinder und ich am Ende im Keller von Justines Eltern wohnen. Ich werde es schaffen.“ Und die Wahrheit ist: ohne diese Bedingungslosigkeit würde dies niemals gelingen, denn es fordert tausendfaches Scheitern, ehe ein einziger Versuch gelingt, und niemand weiß vorher, wie lange es dauern wird. Viele nennen dies „besessen“. Denn dieser Mensch vergisst alles um sich herum und kommt innerlich erst zur Ruhe, wenn er es geschafft hat. Eine klassische Beziehung zerbricht daran, denn der Partner und Kinder fordern naturgemäß Aufmerksamkeit und wer weiter an persönlichen Erwartungen festhält, kann mit so einem Menschen nicht klarkommen. Zugleich sind diese Menschen eben etwas besonderes, weil sie die komplett unmöglichen Wege erschaffen, für die es bedingungsloses Herzblut, einen umfangreichen Wissensschatz aus verschiedensten Bereichen und die tiefgreifendste Intuition braucht. Justine sagt: „Wie Elon sagt: Geht immer über das Auswendiglernen von Formeln und das Bestehen von Prüfungen hinaus. Ergründet die zugrundeliegenden Prinzipien eines Themas, um jedes Problem bis zur Wurzel zurückzuverfolgen, verborgen im Dunkeln und im Dreck. Und ich möchte hinzufügen: Seid mutig, kühn und verrückt genug, um die Dinge umfassender, lebendiger und tiefgründiger zu sehen als alle anderen um euch herum. Weigert euch, den Blick von dem abzuwenden, was ihr seht und wisst, selbst wenn die Leute euch am liebsten verbrennen würden. Denn Visionäre nehmen all diese Leidenschaft, ihre mitreißende Persönlichkeit, ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten und ihre Meisterschaft in ihrem Fachgebiet und setzen sich für etwas ein wie kein anderer. Und genau das ermöglicht es ihnen, Fenster zu einer tieferen Realität zu öffnen, in der Transformation möglich ist und Staunen regelmäßig geschieht. Denn am Anfang misstrauen wir ihnen, weil wir sie für verrückt halten, aber am Ende vertrauen wir ihnen, weil wir wissen, dass sie verrückt sind. Sie sind verrückt genug, alles zu wagen und alles zu riskieren, um uns etwas Neues zu bringen, woran wir zutiefst glauben. Sie mögen schlechte Ehemänner und schreckliche Ehefrauen sein. Sie mögen der Freund sein, der nie ein Geburtstagsgeschenk schickt und vergisst, zum Kaffee zu kommen. Aber sie bringen Licht ins Dunkel und zeigen uns das Universum. Bleibt offen für sie.“

Wie auf dem Foto zu sehen, war ich 2016 Mutter von zwei Kindern, 27 Jahre alt und wurde stets für die große Schwester meiner Tochter gehalten und nach dem Ausweis gefragt. Ich wurde nicht wirklich ernst genommen als Mutter. Aber das störte mich nicht. Ich wusste, dass ich hier die höchste Form der Verantwortung, Teamführung und Potenzialentfaltung lerne – und dieses Wissen eines Tages die Grundlage der allergrößten Erfolge sein würde. Ich wusste: der schnellste und nachhaltigste Weg des Kompetenzerwerbs ist stets das Übernehmen der höchsten Positionen, für die du dich eigentlich noch nicht bereit fühlst – und dann beim Tun zu lernen, was du dafür können musst. Um zum Meister zu werden, können wir Jahrzehnte in Stufe 3 bis 4 verbringen, weil wir zu viel Angst vor Stufe 5 und erst recht 6 haben. Denn hier ist der bedeutendste Schritt, dir selbst zu erlauben, dich als Experte zu betrachten – was einige Menschen in deinem Umfeld als Überheblichkeit und Selbstüberschätzung empfinden werden. Mit diesem Konflikt musst du von da an leben: immer wieder werden dich Menschen in Frage stellen. Und du darfst lernen, dennoch an deine Kompetenz und Ideen zu glauben, auch dann noch, wenn gerade der 100ste Versuch scheiterte.

Da werden ebenso immer Menschen sein, die deine Besonderheit erkennen und an dein noch größeres Potenzial glauben. 

Ich erinnere mich an einen Besuch bei meiner Osteopathin: mein Sohn war mit 1 ½ Jahren von einem Klettergerüst gefallen und ich wollte sicher sein, dass er keine Verspannungen zurückbehielt. Wie immer packte ich meinen Sohn in die Trage und sprach mit meiner vierjährigen Tochter. Ich hantierte also mit einer Hand an meinem Sohn und widmete mich gleichzeitig den Bedürfnissen meiner Tochter, die gerade etwas unruhiger wurde, weil wir so lange warten mussten. Beim Rausgehen sah mich meine Osteopathin, die eigentlich Ärztin war und zwei erwachsene Kinder hatte, an und sagte: „Sie haben eine unvorstellbare Gabe im Umgang mit ihren Kindern. Ich habe noch niemanden gesehen, der eine solche Ruhe ausstrahlt und so eine Verbundenheit zu seinen Kindern lebt.“

Dieser kleine Impuls haute bei mir rein wie ein Ritterschlag: bis dahin hielt ich mich zwar für kompetent, aber es war mir unangenehm, mir dies auch wirklich zuzugestehen. Genau dieser Impuls beförderte mich in die Klarheit, Experte zu sein und Meister werden zu wollen: ich begann erfolgreich, einen Blog über neue Kindererziehung zu schreiben, der später sogar von Professoren und Spiegel-Bestsellerautoren zitiert wurde.

Das bringt uns zu der Frage: Was braucht ein Lernender, um auf die nächste Stufe zu gelangen?

1. Anfänger benötigen von einem Mentor vor allem klare Orientierung und verlässliche Anleitung. Hilfreich sind eindeutige Regeln, verständliche Erklärungen und unmittelbares Feedback, das Sicherheit im Handeln vermittelt. Der Mentor unterstützt dabei, grundlegende Abläufe korrekt auszuführen, ohne den Lernenden bereits mit komplexen Zusammenhängen zu überfordern. Entscheidend ist es, ein stabiles Fundament zu schaffen, auf dem erste Erfahrungen gesammelt werden können.

2. Fortgeschrittene Anfänger profitieren besonders von einem Mentor, der ihnen hilft, einzelne Beobachtungen in einen sinnvollen Zusammenhang zu stellen. Durch das Aufzeigen wiederkehrender Muster und das gemeinsame Reflektieren typischer Situationen wird das Verständnis vertieft. Gleichzeitig unterstützt der Mentor dabei, Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden und Überforderung zu vermeiden, indem er bei der Priorisierung von Aufgaben begleitet.

3. Auf der Stufe der Kompetenz braucht der Lernende vor allem Ermutigung zur Eigenverantwortung. Der Mentor gibt Impulse, Entscheidungen selbstständig zu treffen und das eigene Vorgehen bewusst zu hinterfragen. Durch gezielte Herausforderungen und konstruktives Feedback wird der Lernende darin bestärkt, von bestehenden Routinen abzuweichen und aus den daraus entstehenden Erfahrungen zu lernen.

4. Ein Profi benötigt weniger Anleitung als vielmehr Vertrauen. Der Mentor tritt zunehmend in den Hintergrund und schafft Raum für selbstständiges Handeln. Unterstützend wirkt vor allem die gemeinsame Reflexion anspruchsvoller Situationen, in denen implizites Wissen sichtbar wird. Der Mentor begleitet den Übergang zur Expertise, indem er Sicherheit vermittelt und die intuitive Entscheidungsfindung stärkt.

5. Experten profitieren nicht mehr von klassischen Lehranweisungen, sondern von einem Mentor, der als Gesprächspartner auf Augenhöhe agiert. Dieser eröffnet Räume zur Reflexion, regt zur bewussten Auseinandersetzung mit dem eigenen Erfahrungswissen an und unterstützt dabei, neue oder ungewöhnliche Situationen analytisch zu durchdringen. Gleichzeitig hilft er, Vertrauen in die eigene Intuition weiter zu festigen.

6. Auf der höchsten Entwicklungsstufe besteht der entscheidende Impuls darin, Freiräume zu eröffnen und die trainierte Intuition in ihrer vollen Größe zu nutzen. Der Mentor wirkt hier als Ermöglicher, der dazu ermutigt, Kontrolle loszulassen und vollständig im eigenen Tun aufzugehen und der größten Vision über alle Hürden hinweg dieser intuitiven Stimme in sich zu folgen. Er regt an, die eigene Expertise in einen größeren Zusammenhang zu stellen – sei es durch Innovation, kreative Weiterentwicklung oder die Weitergabe von Wissen an andere – und führt dann durch den emotionalen Prozess der Persönlichkeitsentwicklung, Lebensumgestaltung und Visionsrealisierung.

Wenn nun aber eine starke Intuition, diese magische innere Führung, die eigentliche Zielkompetenz ist, dann würde ich zu all dem ergänzen: stärke von Anfang an das Vertrauen und Nutzen der eigenen Intuition. Als dreifache Mutter weiß ich, dass ausnahmslos jedes Kind damit geboren wird und instinktiv darauf zugreift. Regeln und Anleitungen entfernen uns aber allzu schnell von dieser inneren Stimme, sodass wir irgendwann gänzlich das Vertrauen darin verlieren oder gar ihre Existenz anzweifeln. Doch sie steckt in jedem! Und die meisten nutzen sie sogar unwissentlich ständig, auch wenn sie ihre Entscheidungen und Ergebnisse rational begründen.

Erfolg jeder Disziplin ist am Ende 5% Wissen & Können und 95% Mindset.

Da ist immer ein Mensch, der aus der gleichen Ausgangssituation ein Vielfaches rausholt – weil er nicht mit dem begrenzten, ausweglosen Jetzt identifiziert ist und mit einem anderen Mindset handelt. Also ist es doch schlau, diese tieferliegenden Gedankengänge zu lernen, um aus jeder beliebigen Situation einen Erfolg zaubern zu können. Meine Volleyballtrainerin sagte immer: „Leonie, was dein Talent so besonders macht, ist: du hast das Auge.“ und ich verstand das nie, weil ich nie bewusst aufs andere Spielfeld schaute. Ich „fühlte“, wo die Lücke ist, und stellte entsprechend den Pass zur richtigen Spielerin. Aber um das tun zu können, brauchte ich erstmal das Mindset, dass ich diesem Gefühl, dieser Intuition vertrauen kann. Und genauso funktioniert das in jedem Lebensbereich: es ist das identische tieferliegende Mindset, das zum Erfolg führt. Du musst dem bloß treu bleiben und darfst dich nicht verunsichern lassen. Und genau darin haben wir einen Menschen vom Anfänger bis zum Visionär zu begleiten: durch ein empowerndes, befreiendes Mindset Meister seiner Intuition zu werden. Trainiere sie, „blind“ ihrer inneren Führung zu folgen, indem sie andere Sinne ausschalten müssen, auf die sie normalerweise zugreifen. Im Mannschaftssport siehst du das Ergebnis sehr schön: wenn ein Mensch nicht mehr seine Augen als Orientierungspunkt verwenden kann, schaltet das Gehirn instinktiv eine Wahrnehmung ein, die viel schneller und effektiver wirkt als das langsame, begrenzte Sehen – je tiefer diese Kompetenz trainiert ist, desto mehr agieren Menschen als Einheit wie ein unsichtbar verbundener Vogel- oder Fischschwarm, ihre Handlungen wirken plötzlich wie ein fließendes Miteinander, der eine spielt dem anderen genau in den Lauf und zack, fällt das Tor. Sie müssen nicht mehr den Kopf umdrehen, um die Position des Mitspielers zu sehen – sie „fühlen“ es und spielen einfach, wodurch völlig überraschende Spielsituationen entstehen, auf die sich der Gegner nicht mehr vorbereiten kann.

Wenn du mit Menschen arbeitest und deine Rolle als Meister und Mentor akzeptiert hast, schau genau, wo sie gerade stehen, um sie mit der richtigen Vorgehensweise abzuholen, sodass sie weiterkommen. Fordere sie. Lass dir nicht weismachen, sie wären schon am Ende ihres Lateins – sie brauchen nur den kleinen Impuls und die passende Aufgabe, um auf die nächste Stufe zu gelangen und erstaunt festzustellen, dass sie doch noch so viel mehr vollbringen können.

In Liebe, Leonie

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