13. November 2025

Wie du zum nahbaren Leader wirst – oder als Manager alle High Performer verlierst.
Menschen arbeiten für Menschen. Das vergessen CEOs gerne. Manchmal könnte man glauben, sie betrachten ihre Mitarbeitenden als auswechselbare Ware. Und, oh Wunder, das funktioniert nicht. Das beste Gehalt wird nicht dazu führen, Mitarbeitende zu halten, wenn die Führungsperson ignorant oder rückgratlos handelt. Und somit kann eine einzige Person im Unternehmen dafür sorgen, dass die High Performer – diejenigen, die den Laden am Laufen halten, weil sie im besonderen Maße Verantwortung übernehmen und sich so sehr dem Erfolg und Zusammenhalt verpflichten, dass sie die unmöglichen Wege bis zum maximalen Erfolg gehen – das Unternehmen verlassen, resignieren und zu stumpfer Pflichterfüllung übergehen und Neue kein Interesse haben, dort anzufangen. Umgekehrt kann eine einzige Person dafür sorgen, dass ein intensiver Strom entsteht, High Performer anzuziehen und in jedem Menschen das Beste hervorzubringen. Das geht soweit, dass High Performer sogar lieber kostenlos dort arbeiten als anderswo für hohes Gehalt. Denn: Menschen arbeiten für Menschen. Die Freude an der Arbeit kreiert sich aus der Freude am Miteinander.
Unser Ziel ist, einen Umgang und eine Persönlichkeit zu leben, die Menschen den Raum gibt, mutig, disruptiv, voller Freude, lösungs- & ergebnisorientiert als Team zu agieren. Und das kann zum Glück jeder lernen, der Offenheit für Bewusstsein mitbringt.
Leadership hat nichts mit Methoden oder Zielvorgaben zu tun. Leadership ist eine Aura. Die Aura der Nahbarkeit und Leidenschaft. Es gibt ja den Spruch „Leidenschaft ist, was Leiden schafft.“. Das klingt recht negativ. Ist es aber nicht. Führung braucht Leidenschaft. Denn sie ist dein größter intrinsischer Motivator. Da muss ein Gefühl des Schmerzes in dir sein bei dem Gedanken, nicht zu erreichen, wofür ihr vorangeht. Es muss im Herzen wehtun, denn sonst wirst du die Hürden und Momente der Unsicherheit und fehlenden Antworten nicht überstehen. Die wichtigste Frage für dich ist also: welche Veränderung in der Welt ist dir so fucking wichtig, dass du bereit bist, dafür durchs Feuer zu gehen? Finde die Antwort. Dein Maß an Leidenschaft ist die brennende Fackel für dein Team. Dein Team wird niemals das Unvorstellbare umsetzen, solange du wie eine verklemmte Schnarchnase durch die Gegend schlurfst, wie ein Admiral Befehle bellst oder wie Mister Oberperfekt niemals einen Funken Menschlichkeit zeigst.
Wofür lohnt es sich, dein Leben zu widmen? Ich will, dass du diese eine Vorstellung hast, der du jede Minute deines Lebens widmen magst.
Ich geb dir ein Beispiel…
Was ist das bei mir?
Ich wurde ja mit 23 Jahren Mutter, 5. Semester im Studium. Das war nicht mein Plan. Du weißt, ich bin eine High Performerin: während es andere Menschen erschöpft, ziehe ich Energie daraus, mir immer größere Ziele zu setzen, über mich hinauszuwachsen und Verantwortung zu übernehmen – logisch, dass mein voller Fokus darauf lag, Karriere zu machen (damals kam ich noch nicht auf die Idee, Unternehmerin zu werden. Ich wollte erstmal von den Besten lernen). Aber dann war ich also mit 22 Jahren schwanger. Und nach dem ersten Moment des Zusammenbruchs all meiner Zukunftspläne war für mich klar: Challenge accepted, dann rocke ich jetzt halt Arbeit und Kind und kreiere meinen eigenen Weg, wie das funktioniert. Ja, es funktionierte, aber ich musste unfassbar viele Abwertungen und Entmutigungen dafür ertragen. Hätte ich kein entsprechendes Bewusstsein, hätten die Sprüche und Reaktionen der Menschen dafür gesorgt, dass ich beruflich niemals weiter an meinen Wünschen drangeblieben wäre, höhere Positionen einzunehmen. Der äußere Druck und die eigenen Zweifel sind mit dieser Situation so heftig, dass sie dich erdrücken und in die Knie zwingen, wenn du dir nicht ganz bewusst sagst, dass es Bullshit ist, welche Aussichten dir die Menschen prophezeien und was dich wirklich als Mensch ausmacht. Mehr als einmal saß ich weinend da, weil das Urteil, aufgrund von xyz eine Rabenmutter oder ungenügend Qualifizierte zu sein, so heftig ins Herz stach, dass ich dachte, es würde mir vor Schmerzen zerspringen.
Es gab diesen Moment, da sah ich meine Tochter an und ich wusste: „Für dich, Liebling… für dich werd ich diesem beschissenen Umgang der Abwertung und Vorurteilen der Menschen ein Ende setzen und als Mutter in die Führungspositionen gehen, für die ich mich bestimmt fühle.“ Ich BRENNE dafür, als Frau und Mutter in eine Führungsrolle zu gehen und für meine Überzeugungen einzustehen, weil ich nie wieder ein Mädchen hören will, dass an sich zweifelt und aus Angst vor Überforderung oder fehlender Qualifikation Männern die Führung der Welt überlässt. Komme, was wolle: dafür gehe ich durch Wände! Würde ich nicht alles geben, könnte ich mir nicht mehr im Spiegel in die Augen sehen – ich könnte es nicht ertragen, dort einen Feigling zu sehen. Logisch, dass ich mich mit diesem Gefühl in mir im gleichen Maße für andere einsetze, die einer solchen Schwächung ausgesetzt werden.
Da ist also etwas Übergeordnetes, wofür ich vorangehe. Es geht nicht um den Erfolg eines einzelnen Projektes oder einer Unternehmung. Der Antrieb geht weit darüber hinaus. Ich sehe klar vor Augen, wie viele Menschen ich im Stich lasse, wenn ich aufgebe oder still bleibe. Es geht also nicht um mich. Dadurch bin ich in der Lage, Misserfolge oder unsichere Phasen sofort wegzustecken und weiter dranzubleiben, wenn andere längst aufgegeben hätten, weil sie der Misserfolg zu sehr runterzieht, denn die Motivation nur für den eigenen Erfolg hat Grenzen. Dieses Übergeordnete ist nicht nur für dich selbst entscheidend – es ist der Motivationstreibstoff deines Teams. Wenn du diese viel größere Bedeutsamkeit des Erfolges mit absoluter Leidenschaft kommunizieren kannst, wirst du dein Team zu Höchstleistungen bringen in den Momenten, in denen alle anderen resigniert den Kopf in den Sand stecken.
Das ist aber nicht ausreichend. Wir haben einen Marathon vor uns, deshalb brauchen wir mehr.
Bring Spaß rein!
Wie sollen wir einen Marathon durchziehen, wenn wir nach dem ersten Drittel schon vor Anstrengung zusammenbrechen? Das verhindern wir, indem wir aus der Reise ein Spiel machen. Für dich als Persönlichkeit bedeutet das als erstes: mach dich peinlich. Humor und Lachen sind das Bindemittel deines Teams. Komm einfach mal mit Partyhütchen zur Arbeit und lauf den ganzen Tag so herum. Bring deine Leute aus dem Trott und der Ernsthaftigkeit, denn kreative oder gar disruptive Ideen kommen uns nur in den Sinn, wenn wir die Scheuklappen und routinierten Blickwinkel ablegen. Etabliere ein Klima, in dem es nicht nur in Ordnung ist, Fehler zu machen, sondern in dem es GEWOLLT ist, lustige, auf den ersten Blick sinnlose Dinge zu machen.
Wir hatten ein Team, da tauchte plötzlich als Geschenk ein riesiger Eisbär auf. Dann fingen sie an, mit ihm an unterschiedlichsten Orten im Bürogebäude Fotos zu machen und einen eigenen Instagram-Kanal aufzubauen. Und in einer ungeklärten Nachtaktion saß der Bär plötzlich oben auf dem Dach des fünfstöckigen Gebäudes. Ja, das ist ziemlich bescheuert und welchen Sinn das nun gehabt haben soll, ist schwer zu erklären. Aber es schweißte das Team zusammen und führte zu einem Klima innerer Freiheit, sodass alle Teammitglieder vor Ideen für die eigentliche Arbeit sprudelten und über alle Maßen jeden Tag motiviert waren. Es trat dieses unglaubliche Gefühl bei allen ein, sich jeden Tag auf die Arbeit zu freuen und am liebsten auch noch den Abend miteinander zu verbringen, statt jede Minute zu zählen, die man dem Feierabend zu Hause näher kommt. Es hat eine unfassbar bindende Wirkung, die automatisch zu Höchstleistung führt, ohne das Team zu erschöpfen, weil es einfach Spaß macht.
Konflikte lösen
Wo Menschen, da treten auch Konflikte und Meinungsverschiedenheiten auf. Das ist ok. Die Frage ist: wie lösen wir sie? Wir haben gelernt, solche Situationen argumentativ zu lösen. Daher lass uns nun einen wichtigen Grundsatz festhalten: der Mensch braucht keine Konflikte – wenn Konflikte entstehen, ist immer die Beziehungsebene beschädigt, deshalb bringt es nichts, Lösungen auf der Sachebene zu suchen. Bleiben wir auf der Sachebene, ist der nächste Konflikt vorprogrammiert, weil die beteiligten Personen einfach grundsätzlich nicht an einem Konsens miteinander interessiert sind. Wie lösen wir stattdessen nachhaltig Konflikte, um uns nicht durch interne Spannungen selber lahmzulegen?
Ja, ganz genau. Menschen müssen auf einer komplett anderen Ebene zusammenwachsen und sich kennenlernen. Nur so bekommen sie ein Gefühl dafür, wer die anderen wirklich sind, wie ihre Verhaltensweisen, Formulierungen und Körpersprache zu interpretieren ist, erleben sich peinlich, bauen Vertrauen auf und die Angst vor Gesichtsverlust ab. Und selbstverständlich muss der Chef teilnehmen. Was eignet sich dafür? Gemeinsame Party-Abende mit Trinkspielen. Billard, Kicker, Escape Rooms, Walking Football, Boxen, Grillwettbewerb – alle Aktivitäten mit niedriger Kompetenzschwelle und verbindendem, lustigem Charakter. Denkt euch zusätzliche Team- und Einzelaufgaben als Spiel hinter dem Spiel aus. Denkt euch lustige Challenges aus, die im Verlauf der Arbeit erreicht werden müssen. Streicht alle steifen Firmenevents und Präsentationsveranstaltungen von der Agenda. Wenn ihr nicht lachend und singend am Ende des Abends zusammensitzt, ist es den Aufwand nicht wert.
Diese Aktivitäten dürfen kein einmaliges Jahresevent sein. Sie müssen Teil des Alltags und der Regelmäßigkeit sein. Unser Ziel sind enge Beziehungen. Nur wenn sich Menschen aufeinander verlassen können und kurze Dienstwege für Lösungen gehen, kann ein Unternehmen zum Speedboot werden. Solange Menschen in Organigrammen und abgegrenzten Zuständigkeiten denken, bremst sich das Unternehmen intern aus oder unterlegt sich sogar einem kompletten Stillstand.
Insbesondere für Männer ist es zudem wichtig, sich körperlich zu messen. Gerade zwei extreme Streithähne müssen die Möglichkeit erhalten, sich zu duellieren. Klingt vielleicht bescheuert und untypisch im Arbeitskontext, aber Fakt ist: das verbale Kräftemessen hört schlagartig auf, wenn die beiden bspw. im Boxring feststellen konnten, wer stärker oder geschickter ist. Zack, plötzlich herrscht wieder eine klare Rangordnung und die dämlichen Endlosdiskussionen sind beendet. Ja, der Mensch ist so rudimentär und das ist in Ordnung. Wir müssen es nur nutzen.
Es sollte eigentlich klar sein, aber nur um keinen Spielraum für Unklarheit zu lassen: harte Drogen müssen untersagt sein. Ebenso sollte klar ausgesprochen werden, dass niemand zu irgendwas genötigt wird oder mitmachen muss. Wer keinen Alkohol trinken will, trinkt keinen. Punkt. Auch sexueller Austausch zwischen Mitarbeitenden hat nichts am Arbeitsplatz zu suchen. Was wer privat macht, ist Privatsache. Es geht nicht um ein Verbot mit Strafe, aber um die Bitte, das Teamgefüge zu achten.
Verklemmtheit adieu
Du bist der Maßstab für alles. Dein Team (egal ob 10 oder 10.000) nimmt mit Argusaugen wahr, was du lebst. Aus deinem Verhalten wird geschlossen, was erlaubt ist und was nicht. Sind chauvinistische Äußerungen erlaubt? Ist Feierabend um 16 Uhr erlaubt? Ist Bier trinken erlaubt? Muss man im Urlaub erreichbar sein? Muss man binnen 5 Minuten antworten?
Was immer du tust, wird auf die Goldwaage gelegt, ob du willst oder nicht. Nun haben wir aber gelernt bzw. bislang vorgelebt bekommen, ein Chef (egal ob männlich oder weiblich) sollte Distanz halten und eine Art professionelle Elternrolle von oben herab einnehmen. Insbesondere zwischen Männern und Frauen herrscht extreme Verunsicherung, was wie in Ordnung ist. Dir muss bewusst sein, dass Menschen derzeit in großer Verunsicherung leben: sowohl das Zusammenkommen unterschiedlicher Kulturen als auch die Veränderungen unseres Rollenverständnisses und Selbstbestimmung führen dazu, dass wir nicht mehr ganz genau wissen, wie man miteinander umgehen soll. Darf man sich umarmen? Darf man sich spielerisch in die Seite piksen? Darf man das Bein des anderen berühren? Darf man sich an die Schulter des anderen anlehnen? Wie viel Nähe ist angemessen? Darf man über private Beziehungen und Sexualität sprechen? Wie viele Details und welche Themen sind angemessen?
Allzu gern wird versucht, Teambuilding-Methoden umzusetzen. Aber die Wahrheit ist: es geht um viel rudimentärere Fragestellungen, die uns im Alltag verunsichern, für Spannungen oder Stillstand sorgen.
Nimm dich selbst und das Leben nicht so ernst – das ist für dich der wichtigste Punkt. Freundschaftliche Umarmung und das Du sind nicht nur eine Form der Ebenbürtigkeit, sie bauen Beziehung auf. Zahlreiche Manager würden zwar sagen, dass genau das zu vermeiden sein sollte, denn schließlich sind wir am Ende Geschäftspartner und die können im Falle einer Trennung sehr enttäuschen. Aber wer es vollbringt, Kollegialität und Ehrlichkeit zwischen Menschen aufzubauen, der wird stets Verständnis und Entgegenkommen erhalten und so auch die Momente meistern, in denen eine Trennung oder der Verzicht auf Forderungen notwendig ist. Eine wirklich starke Persönlichkeit schafft es, auch in den enttäuschenden Momenten die Beziehung zu halten und selbstreflektiert seine Schuld am Verlauf der Situation und sein größtes Bemühen für Fairness und Wohlbefinden des anderen zum Ausdruck zu bringen. Darum geht es auf tieferer Ebene.
Menschen arbeiten für Menschen. Und wenn du ein tiefes Fundament des Vertrauens aufbaust, wirst du ein Miteinander erleben, das jedes Homo oeconomicus Menschenbild komplett widerlegen wird. Um das zu kreieren, müssen wir an deine tiefsten Umgangsweisen und deine Persönlichkeit ran! Gut möglich, dass du vieles davon selbstverständlich lebst, aber so oder so: jetzt bringen wir Bewusstsein rein, denn dadurch kannst du noch achtsamer beobachten, in welchen Momenten es dir noch nicht gelingt oder du es noch mehr zum Ausdruck bringen darfst.
In Liebe, Leonie