Was führt eine starke Partnerschaft dennoch zur Trennung?

Egal, ob Ehe-oder Geschäftspartner, wir kollidieren irgendwann an einem Punkt:

unser konditioniertes Sicherheitsbedürfnis.

Wann wird dein Sicherheitsbedürfnis getriggert? An welchem Punkt meldet sich deine Existenzangst?

Mein Vater ist Mitgründer von Nordex SE Deutschland. Er legte sich damals als Atomphysiker mit der Atom-Lobby an und legte den Grundstein der erneuerbaren Energie in Deutschland. Dafür kündigte er seinen Lehrer-Job, wo er gerade zum Schuldirektor werden sollte und natürlich eine sichere Pension gehabt hätte.

Schon zuvor war er als Vater von zwei Kindern einfach allein für 1 ½ Jahre nach Frankreich ausgewandert, um dort das Leben in einer sich selbst versorgenden Gemeinschaft auszuprobieren.

Völlig egal, ob das richtig oder falsch ist – ich wuchs durch meine Eltern in einem Urvertrauen in das Leben auf, das Menschen aus klassischen Familienkonstrukten komplett überfordert, weil sich ihr Sicherheitsbedürfnis viel früher meldet und sie davon abhält, solche Entscheidungen zu treffen und Schritte zu gehen.

Als Ehe- sowie Geschäftspartner kommt dieses Thema zwangsläufig irgendwann hoch: einer strebt mehr als der andere in ein neues Level an Freiheit & Selbstwirksamkeit – und ihm sind die Konsequenzen, das Alte dafür zur riskieren, egal, weil er das Potenzial des Neuen als ausreichend machbar und viel attraktiver als den Ist-Zustand sieht.

Der Innovator in der Partnerschaft spürt nun diesen aufkommenden Wunsch in sich, merkt aber auch, dass der oder die anderen ängstlicher sind und hier entweder ein massiver Konflikt oder sogar ein Grund zur Trennung entsteht.

Denn der Punkt ist: es gibt kein Richtig oder Falsch, keiner der Wege ist per se falsch – aber wahr ist: nur wenn alle an einem Strang ziehen und gemeinsam für EINEN Weg gehen, ist es erfolgreich. Somit MUSS eine Entscheidung getroffen werden, denn ansonsten torpediert sich das Team gegenseitig.

Es gibt nun zwei Wege, die völlig neutral beide gangbar, aber in jedem Fall unausweichlich sind:

1. das Team entscheidet sich für eine Trennung, denn der Innovator wird definitiv nicht mehr glücklich in diesem Konstrukt, weil der Drang nach dem nächst größeren Schritt in ihm immer wieder in jedem einzelnen Gespräch durchkommen wird, egal, wie sehr er versucht, es zu unterdrücken. Gelänge ihm mental das Unterdrücken, würde er wiederum krank, denn dann kompensiert es der Körper. Durch eine Trennung können alle im Frieden mit sich bleiben. Steve Jobs durchlief genau diesen Prozess (mit unnötig viel Drama, weil Menschen leider so unfähig im Loslassen sind) und gründete dann NeXT, wo er seinen Weg gehen konnte.

2. der Ängstlichere entscheidet, den Weg mitzugehen und sein Sicherheitsbedürfnis von nun an massiv zu stretchen: diese Variante funktioniert einzig und allein, wenn es von kompetenten Mentoren begleitet wird, da der Mensch ansonsten in Vorwurfsmuster verfällt, sobald etwas nicht nach Plan läuft.

Der Ängstlichere muss 100% bereit sein, sich vom anderen führen zu lassen und zu vertrauen, ansonsten geht zu viel Energie durch Diskussionen und Infragestellung verloren und zerstört alles.

Der 2. Weg hat:

  •   das gigantische Potenzial, ein unfassbar erfolgreiches, internationales Unternehmen/ die glücklichste Ehe zu kreieren
  •   und zugleich die gigantische Gefahr, dass der Ängstlichere der beiden es nicht schafft, sich bedingungslos vom Innovator führen zu lassen, wenn er sich selbst als ebenso kompetent fühlt und daher dazu neigt, dem anderen doch immer wieder reinzureden.

 

Der 1. Weg hat:

  • den Nervensystem beruhigenden Vorteil, dass alle im Frieden mit sich selbst bleiben und ihren eigenen Weg in ihrem Tempo gehen können.
  • den großen Nachteil der Vollbremsung: 1985 wurde Steve Jobs per Abstimmung des Vorstandes entlassen. 11 Jahre später kehrte er zurück, denn seit seinem Ausscheiden bei Apple erging es dem Unternehmen massiv schlecht: einem Speedboot, das für die innovativsten Wege der Branche steht, den innovativen Kopf zu nehmen (weil der Vorstand kalte Füße bekommt), führt logischerweise zum Crash. Trotz kleinerer Erfolge, konnte Apple ohne Steve lediglich die Verluste ausgleichen. Es geht also nicht um Richtig oder Falsch bei dieser Entscheidung. Die Frage ist: was ist die Kernidentität der Partnerschaft? Wenn plötzlich „kalte Füße“/Sicherheit zum Entscheidungskriterium werden, wird die Trennung den zurückbleibenden Ängstlicheren nie wieder glücklich machen, denn insgeheim sehnt er sich nach der Euphorie des stets mutigen Weges des Innovators.

 

Als servant Leader halten wir den Raum für den Turbogang, der Lebensaufgabe und Vision zu folgen und entsprechend die Entscheidungen und Schritte umzusetzen, die dieses Wachstum und Vorangehen möglich machen. In diesem Prozess kommen Ängste, Zweifel und Widerstände hoch, die wir sukzessive durch das Erkennen eines größeren Kontextes wandeln, um jeden Tag im Vertrauen weitergehen zu können.

In Liebe, Leonie

#femaleservantleadership

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