Und dann brach meine Stärke ein…

Sind wir dazu gemacht, permanent dieselbe Leistung abzurufen? Wie kann es anders gehen…

„Ich war schon wieder die halbe Zeit krank im Urlaub. Wochenende? Ne, da lag die ganze Familie krank im Bett. Was trinken gehen? Sorry, hab Kopfschmerzen.“

Laut Studien wie die der IU Internationale Hochschule von 2025 leidet jeder fünfte Arbeitende an „Leisure Sickness“ – das Phänomen, durch Stressabbau krank zu werden. 

Wir wissen, dass das kein Normalzustand des Körpers ist, sondern sein verzweifelter Schrei nach einem Leben im Einklang mit deiner Freude und deinem Biorhythmus. Kein Mensch tut das freiwillig. Wir zwingen uns in Strukturen, die einst für die Industrialisierung notwendig waren und Menschen großflächig aus der Armut beförderten, aber heute nicht mehr angemessen sind. Wir leben heute in größeren, körperlich belastenden Zwängen als vor 400 Jahren (wenn man Kriege und Hygienebedingungen außen vor lässt). Frauen leiden noch mehr unter den heutigen Produktivitätsanforderungen, denn ihr Körper unterliegt jeden Monat starken hormonellen Schwankungen und muss daher permanent gegen sich selbst kämpfen, um gleichermaßen zu performen wie Männer.

Dass wir uns also selber krank und kaputt machen durch unsere heutigen Arbeitszeitmodelle, wissen wir seit langem. Aber wie sieht es mit Phasen aus, in denen wir physisch und mental komplett zusammenbrechen und überhaupt keinen Antrieb mehr für die Arbeit verspüren, sogar dann, wenn sie uns eigentlich Spaß macht?

Wir haben gelernt, unsere Leistung bis zum letzten Tag durchzuziehen und dann in den Ferien oder im Urlaub Erholung zu finden. Und es gibt Menschen, die das einen Großteil ihres Lebens schaffen. Aber plötzlich brechen sie zusammen. Oft geht es mit heftigen Konflikten einher. Zufall? Nein. Mit steigendem Alter sinkt unsere körperliche Leistungsfähigkeit auf natürliche, völlig gesunde Weise – verlangen wir aber weiterhin dieselbe Leistung von uns wie zuvor, steigt spätestens dann unser Stresslevel, weil wir ständig gegen Müdigkeit und Ruhebedürfnis ankämpfen. Dadurch steigt unsere Reizbarkeit und sinkt unser Geduldsfaden und genau die führen dann zu Konflikten, weil wir stärker eskalieren, unsere Emotion an anderen auslassen, schneller erschöpft sind und ggf. auch einfach ehrlicher werden, weil wir keine Kraft mehr haben, Gedanken zurückzuhalten. Wir kreieren uns auf diese Weise unbewusst einen Grund, um uns endlich die Auszeit zu gönnen, die wir uns ansonsten nicht erlauben würden.

Dieser Zusammenbruch kann also nach vielen Jahren Berufstätigkeit, aber auch saisonal jedes Jahr zu bestimmten Zeiten oder nach bestimmten Ereignissen eintreten. Der Mensch lebte die gesamte Evolution über im Einklang mit der Natur und den Jahreszeiten. All das haben wir heute wegrationalisiert, aber unser Körper ist identisch geblieben. Auch wenn wir in unseren warmen Büros sitzen, haben der Winter, die Kälte und Dunkelheit Einfluss auf unsere Stimmung und physischen Prozesse. Tiere gehen in den Winterschlaf, wir verlangen stattdessen dieselbe Leistung bis zum Jahresabschluss. Hinzukommt unsere Vergangenheit als Jäger und Sammler: die Abwechslung zwischen Verausgabung und Erholung ist tief in unseren Zellen abgespeichert. Jedes Lebewesen der Welt zeichnet sich auf einzigartige Weise durch seine Effizienz des Energiehaushaltens aus – nur wir gehen heute mit unserer Energie um, als wären wir sonnenstrombetriebene Maschinen.

Nun gibt es zwei wichtige Stellschrauben:

1. Tust du, was du liebst und deinem natürlichen Sein entspricht?

2. In welcher Haltung agierst du?

Stell dir einen Menschen vor, der eigentlich handwerkliches Arbeiten liebt, aber stattdessen den ganzen Tag im Büro hockt und angestrengt telefonieren muss: die Arbeit als solches ist in jeder Minute Kampf, da kann er noch so viele Massagen und Yoga-Sessions machen – erst, wenn er sein Tätigkeitsfeld wechselt, wird es ihm gut gehen. Und ja, da haut der Glaubenssatz „durch Büroarbeit verdient man mehr“ rein und genau das gilt es nun zu widerlegen, indem die Person die Passion findet, in der sie aufblüht und dadurch einen ebenso hohen Wert mit entsprechenden Einnahmen schafft.

Wenn du nun also tust, was du liebst und deinem Sein entspricht, dann bleibt die Frage, ob es dir gelingt, dein altes Leistungsdenken zu durchbrechen, das keine Rücksicht auf Jahreszeiten und natürliche Erholungsphasen nimmt. Auch braucht es einen neuen Umgang mit deinen Existenzängsten und deinem Vertrauen in das Leben und Menschen. Nur, wenn wir diese Aspekte alle in den Blick nehmen, können wir dauerhaft körperlich, geistig und seelisch stabil bleiben.

Ist die Quelle deines Handels die Freude am Tun und Lernen – oder fokussierst du dich erneut auf das Erreichen von Ergebnissen und Zielen? Driftet dein Verstand auf letzteres ab, wirst du wieder und wieder Zusammenbrüche erleben oder gar nicht erst bis dahin durchhalten, weil es das Leben so an sich hat, dass nicht jedes Ziel nach den eigenen Vorstellungen gelingt oder schlichtweg Zeit braucht, die mit deinen Existenzängsten und Vertrauenseinbrüchen kollidieren. Es ist also von oberster Bedeutung, dass du den Fokus auf die Freude am täglichen Tun und Lernen hältst – und wenn du dieses tägliche Tun beschissen findest, dann justiere nach und wähle endlich das, was dir wirklich Freude macht. Michael Jordan trainierte jeden Tag 1000 Würfe – auch im Urlaub. Jeden Tag. Weil er es liebte. Natürlich taten die Muskeln irgendwann weh, aber das war kein Stress für ihn, denn das Tun als solches war seine Passion und hat ihm stets mehr Energie gegeben als genommen. Aber er hatte nicht jeden Tag Wettkämpfe und nach einem solchen Basketballspiel gab es immer auch eine Regenerationsphase. Was wir also im Sport beachten, gilt ebenso für unser ganzes Leben. Und je mehr wir ganz simpel anerkennen, dass wir so funktionieren, desto leichter gehen wir durchs Leben. Was genau ist dein „jeden Tag 1000 Würfe“ Training? Welche Handlung ist es in deinem konkreten Fall? Definiere es.

Nun kommen also die angekündigten Phasen, in denen dein Körper Ruhe verlangt. Und manchmal kann das mehrere Wochen oder Monate andauern. Wenn du nun an deinem Leistungsanspruch festhältst oder deine Existenzangst durchdrehen lässt, wird diese Phase dich emotional zerstören und unfassbar anstrengend. Wenn du sie aber einfach anerkennst als natürliche Phase deines Biorhythmus, dann kannst du sie entspannt gestalten, alle Pflichten ruhen lassen – und gelassen auf den Moment warten, in dem du auf natürliche Weise wieder Energie und Tatendrang hast. Und glaub mir, dieser Moment kommt. So sicher, wie du dich nach dem Winter auf den Frühling verlassen kannst. Selbst wenn du die nächsten zwei Wochen täglich vor dem Fernseher mit Chips-Tüte hocken würdest, würde plötzlich der Impuls zurückkehren, rauszugehen, frische Luft zu atmen und wieder etwas zu tun. Wäre es tatsächlich eine plötzliche, lebenslange Schockstarre, hätte es tiefere Dynamiken als Grund und welches von beidem es ist, das spürst du ganz klar. Hab keine Angst vor dieser Phase. Sie ist natürlich. Halte in dieser Phase nur den Fokus darauf, dein „jeden Tag 1000 Würfe“ Training beizubehalten und gelassen deinen stetigen Fortschritt zu beobachten. Ob du weiter dein Training tust, daran erkennst du, ob du in einer schweren, psychologisch zu bearbeitenden Depression steckst oder ob es sich um die Phase der Regeneration handelt, in der du jetzt einfach entspannen darfst. Entscheidend ist: geh nicht in den Kampf damit. In dem Moment, wenn du einfach anerkennst: „So ist es. So fühle ich jetzt. Das ist in Ordnung.“, öffnest du deinen Geist dafür, die Zeit zu genießen und dir zu überlegen, wie du sie am schönsten genießen kannst. Und genau das tust du dann. Wie sieht der pure Genuss dieses Momentes aus? Tu es.

Nun gibt es einen Mechanismus, der das Genießen zerstören kann: die Panik, Kontrolle loszulassen.

„Wie soll das gehen, wenn ich sie damit allein lasse? Das schaffen sie doch niemals ohne mich. Wie soll es weitergehen? Wie soll ich noch Ziel xy erreichen, wenn ich jetzt hier herumsitze und nichts tue?“

Diese Gedanken sind Ausdruck deines Kontrollzwangs. Und genau der ist deine größte Blockade, denn sie limitiert dich. Mach dir noch einmal bewusst: du kannst dein Wirken nur skalieren, wenn du anderen Menschen vertraust und sowohl Aufgaben als auch Verantwortung abgibst. Das gilt als Vater und Mutter und es gilt als Führungsperson, im Sport und überall in deinem Leben. Solange du im Kontrollzwang stecken bleibst, begrenzt und verschlechterst du langfristig das Gesamtergebnis. LASS LOS! Ja, die Gedanken werden regelmäßig hochkommen. Und dann ist es dein Job, sie in Vertrauen zu wandeln. Wie? Du sagst dir einen neuen Satz, den du solange gedanklich wiederholst, bis die Angst sich aufgelöst hat. Meditiere.

„Ich vertraue dem Leben und den Menschen. Gemeinsam erschaffen wir etwas viel Größeres und Genialeres, als ich jemals allein in der Lage wäre.“

„Das Leben führt uns und sorgt immer für mich und meine Mitmenschen. Alles geschieht zu unserem Besten und alle unsere Wünsche kreieren sich, während wir unseren magischen Impulsen folgen.“

„Ich vertraue dem Divine Timing. Es kreiert alles exakt zum richtigen Zeitpunkt, so, wie ich es bestellt habe und es die größte und beste Wirkung für alle erzielt.“

Halte den Fokus auf den neuen Glaubenssatz und entspanne dich in dieses neue Vertrauen hinein.

Wir haben bestimmte Wünsche für unser Leben und unsere Liebsten. Und wir lernten Vorstellungen, wie diese Wünsche gelingen und auszusehen hätten. So dachte ich lange, ich müsste alle Anforderungen einer Rolle und Position erfüllen. Doch dann begriff ich, dass das Leben dir immer Unterstützung schickt. Als Kind fehlte mir sehr stark der Halt eines Erwachsenen – und so schenkte mir das Leben meine Volleyballtrainerin. Sie gab mir all das, was mir meine Eltern in dieser Phase nicht geben konnten. Statt wütend auf meine Eltern zu sein, war ich dankbar für meine Trainerin. Und meine Eltern erhielten Entlastung auf einem völlig ungeahnten Wege. Als Mutter wünschte ich mir, meine Kinder mögen dankbar, selbstständig & in sich gestärkt werden – und auch wenn eine Scheidung nach 11 Jahren glücklicher Ehe definitiv nicht mein Plan war und mich durch den größten Schmerz des Loslassens schickte, so geschah dadurch genau das: durch die Kinder der neuen Partnerin erhielten sie neue Selbstständigkeit, durch unseren Umgang als Eltern ein tiefgehendes Bewusstsein für Verbundenheit & innere Stärke und Dankbarkeit durch das komplett neue Wertschätzen der Kostbarkeit unserer gemeinsamen Zeit. Wenn du die Kontrolle (und Angst) loslässt, wie die Dinge zu laufen haben, realisieren sich alle Wünsche auf magische Weise. Nur anders als du denkst.

Lass alle Vorstellungen los.

Die Stimme der Angst in dir wird immer lauter sein als die Stimme deines Herzens. Aber die Angst wird dich eines Tages emotional zerstören – dein Herz wird dich dorthin führen, wo du hingehörst und dein volles Sein ohne Zurückhaltung entfalten kannst.

Die Vernunft und Logik sind die kleine Schwester der Angst – auch sie werden dein Gefängnis.

Nur dein Herz weiß, was wirklich richtig für dich ist und wie sich deine Bestimmung auf direktestem Wege weiter und weiter realisiert. Fernab von allen gesellschaftlichen Idealvorstellungen. Hör auf, kontrollieren zu wollen, wie es gehen soll. Der Weg kreiert sich einzig und allein beim Gehen – und es fordert die Entscheidungen von dir, die dich alles loslassen lassen, woran du dich je geklammert hast, lange bevor es irgendein Indiz für den Erfolg gibt. Wenn du diese Entscheidungen wagst, gelangst du genau dorthin, wo dein Herz vor Freude Purzelbäume schlägt – und dein Körper vor Erfüllung und purer Gesundheit strahlt.

In Liebe, Leonie

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